Therapie auf vier Pfoten: Wie Haustiere uns glücklicher und gesünder machen

Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland hat es – ein Haustier. Vielen Besitzern versüßen die tierischen Lieblinge das Leben und das hat viele Vorteile für Körper und Psyche.
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Haustiere bringen ihren Besitzern viel Freude und verbessern nebenbei ihre Gesundheit.Foto: Chalabala/iStock
Von 24. März 2025

Haustiere haben eine transformative Kraft – das habe sie aus erster Hand erfahren, erzählt Dawn McGrath in einer E-Mail an Epoch Times. Nach ihrer Aussage entstehen leicht Gespräche, wenn man Menschen mit Hunden begegnet. Dies verringere Stress und Einsamkeit, so McGrath, die ehrenamtlich mit Therapiehunden Pflegeheime, Rehazentren, Krankenhäuser, Schulen und Bibliotheken besucht.

Ihre Hunde – Bailey, ein Shetland-Schäferhund, und Ginger, ein Cockerspaniel – würden jedem ein aufrichtiges Lächeln entlocken. Die Menschen reagieren mit Offenheit und Umarmungen auf die Tiere. „Das schlägt sich in einer besseren Stimmung, Motivation und allgemeinen Zufriedenheit nieder“, so McGrath.

Haustiere sind beliebt. Rund 45 Prozent der Haushalte in Deutschland halten mindestens eines, heißt es auf der Seite des Statistischen Bundesamtes. Bundesweit sind das etwa 34,3 Millionen Haustiere, wobei Katzen am häufigsten gehalten werden.

Diese Beliebtheit lässt darauf schließen, dass Haustierbesitzer viel Freude an ihren tierischen Lieblingen haben. Doch sind Haustiere tatsächlich therapeutisch? Laut vielen Studien ist die Antwort auf diese Frage ein eindeutiges „Ja“.

Hunde als mentale Stütze für Studienanfänger

Beispielsweise können Haustiere die psychische Gesundheit von Studenten verbessern. Das ist besonders entscheidend, da laut einer Studie der  Weltgesundheitsorganisation etwa jeder dritte Student mindestens eine lebenslange Störung aufweist. Dies kann häufig eine allgemeine Angststörung, eine Depression oder eine Alkoholabhängigkeit sein. Das ist das Ergebnis der Befragung von 13.984 Studenten an 19 Hochschulen aus acht Ländern, darunter auch Deutschland. 

Erschwerend kommt die Trennung von einem Haustier aus der Kindheit hinzu. Dies kann bedeuten, die bisherige Bewältigungsstrategie zu verlieren, heißt es in der Studie weiter.

Dem kann ein Hundetherapieprogramm abhelfen, wie eine Untersuchung der Washington State University (WSU) aus dem Jahr 2018 zeigte. An der Studie nahmen 145 Studenten im ersten Studienjahr teil, die zum Studium von zu Hause wegziehen und sich von ihrem Haustier trennen mussten.

Die Autoren wiesen den Teilnehmern nach dem Zufallsprinzip entweder sieben Sitzungen eines Hundetherapieprogramms oder eine Kontrollgruppe mit Warteliste zu. In den Sitzungen konnten die Studenten Hunde streicheln, mit ihnen beieinander sitzen oder in einer informellen Atmosphäre mit ihnen reden.

Die Forscher beobachteten, wie sich das Hundetherapieprogramm auf das Wohlbefinden der Teilnehmer während des Semesters auswirkte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten die Studenten in der Hundegruppe deutlich weniger Sorgen, Depressionen und Stress. Obwohl die Hunde eine Schlüsselrolle spielten, waren die Autoren der Meinung, dass die ruhige Umgebung und der Kontakt mit anderen Studenten und Hundeführern ebenfalls einen Einfluss hatten.

Hunde und ein gesünderes Herz-Kreislauf-System

Des Weiteren sorgen Hunde dafür, dass ihre Besitzer sich durch Spaziergänge mehr bewegen. Eine britische Studie aus dem Jahr 2019 lieferte dazu empirische Daten. Dafür befragten im Juli und August 2015 die Studienautoren in Großbritannien 191 Erwachsene mit Hund, 455 Erwachsene ohne Hund und 46 Kinder. Sie stellten dabei fest, dass Hundebesitzer in ihrer Freizeit mehr spazieren gehen und mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit die empfohlenen 150 Minuten körperlicher Aktivität in der Woche erreichen. Auch Kinder mit Hunden gingen mehr spazieren als Kinder ohne Hunde.

Darüber hinaus gibt es eine Verbindung zwischen dem Besitz eines Hundes und einer besseren kardiovaskulären Gesundheit. Das ist das Ergebnis einer systematischen Überprüfung und Metaanalyse aus dem Jahr 2019. Im Rahmen der Überprüfung untersuchten die Studienautoren Studien zwischen 1950 und 2019, die Daten von etwa 4 Millionen Personen enthielten. 

Einigen dieser Studien zufolge ist der Besitz eines Hundes mit einem niedrigeren Blutdruck, besseren Cholesterinwerten und einer geringeren Stressreaktion des sympathischen Nervensystems, das für Kampf- oder Fluchtverhalten verantwortlich ist, verbunden.

Laut der Analyse aller Daten stand der Besitz eines Hundes mit einem um 31 Prozent verringerten Risiko für einen kardiovaskulären Tod im Zusammenhang. Ein möglicher Grund für diese höhere Lebenserwartung könnte nach Ansicht der Autoren in der zusätzlichen Bewegung liegen.

Haustiere als Stressreduzierer

Insgesamt verbessern Haustiere die mentale und psychische Gesundheit auf vielfache Weise. So können sie unter anderem Stress verringern und die Stimmung erhöhen. Das zeigten verschiedene Untersuchungen, wie beispielsweise eine klinische Studie aus dem Jahr 2019.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Autoren 249 Hochschulstudenten, die 10 Minuten lang einer Aktivität in einer der vier Gruppen nachgehen sollten:

  1. praktischer Kontakt mit Haustieren;
  2. beobachten der Interaktion anderer mit Haustieren;
  3. betrachten einer Diashow von Haustieren; 
  4. eine Kontrollgruppe. 

Studenten in der Gruppe mit praktischem Kontakt hatten nach dem Test den niedrigsten Cortisolspiegel. Demnach verringerte das 10-minütige Streicheln einer Katze oder eines Hundes die Werte dieses Stresshormons und sorgte für einen kurzzeitigen Stressabbau. 

Laut Dr. Michael S. Valdez, medizinischer Leiter bei Detox California, haben Tiere eine fast magische Fähigkeit, die Stimmung und das geistige Wohlbefinden von Menschen zu verbessern. „Die reine Verbundenheit, die Haustiere bieten, zusammen mit ihrem fröhlichen Unfug und ihrer Zuneigung, fördert bei Tierbesitzern die Freisetzung von Serotonin und Dopamin. Beide sind Neurotransmitter, die synonym für Entspannung stehen“, erklärte Valdez in einer E-Mail an Epoch Times.

Ferner könne der Umgang mit Haustieren die Symptome von Angst und Depression lindern und den Blutdruck regulieren, fügte er hinzu.

Haustiere können auch bei der Behandlung psychischer Erkrankungen behilflich sein. „Mein Team aus Menschen und Tieren arbeitet mit Menschen, die mit der traditionellen Gesprächstherapie nicht zurechtkommen. Unsere Klienten haben beim Streicheln, Spazierengehen und Kuscheln mit unseren Hunden und Kaninchen Angstzustände abgebaut, Depressionen überwunden und Traumata verarbeitet“, schrieb Annalisa Smithson per E-Mail an Epoch Times. Sie ist die Begründerin und Leiterin von Unleashed Counseling, einer Praxis für psychologische Beratung in den USA.

Smithson zufolge fühlen sich die Klienten dann oft wohler und sind eher bereit, ihre Gedanken und Gefühle mitzuteilen, als dies bei einer herkömmlichen Gesprächstherapie der Fall wäre.

Haustiere als Helfer bei der sozialen Interaktion …

Auch wenn Haustiere viele Vorteile bringen, können sie die menschliche Gesellschaft nicht ersetzen. Allerdings können sie diese erleichtern.

„Ein Hund schafft natürlich mehr Möglichkeiten für soziale Interaktion“, schreibt Melissa Legere, eine zugelassene Ehe- und Familientherapeutin und klinische Leiterin des Zentrums California Behavioral Health, in einer E-Mail an Epoch Times.

Wenn man mit seinem Hund Gassi geht, würden sich oft zwanglose Gespräche mit Nachbarn und anderen Hundebesitzern im Park ergeben. „Es ist eine einfache Möglichkeit, Menschen zu treffen, ohne soziale Situationen zu erzwingen. Außerdem sind Menschen zugänglicher, wenn ein Hund in der Nähe ist – so wird die Atmosphäre sofort lockerer“, so die Familientherapeutin.

… und als emotionaler Anker

Das Spazierengehen mit dem Hund ist folglich ein natürlicher Weg, andere Menschen zu treffen. Auch könnten Hunde Personen helfen, die Angst vor sozialen Interaktionen haben.

Sie würden solchen Personen ein Gefühl von emotionaler Sicherheit und Unterstützung geben und sie ermutigen, aus ihrer Komfortzone herauszutreten und sich in einem sozialen Umfeld zu bewegen. Das meinte Stephanie Boucher in einer E-Mail an Epoch Times. Boucher ist eine registrierte Psychotherapeutin und Gründerin des Mindful Loft Betrayal Trauma and Relational Recovery Centre Ontario, Kanada.

„Ich glaube, dass die Bindung an ein Haustier bei einem älteren Erwachsenen, der allein lebt und nur wenige Freunde hat, dazu beitragen kann, das nötige Vertrauen zu schaffen, um soziale Risiken einzugehen“, so Boucher. Dies könne dazu führen, dass er neue Menschen kennenlernt und Freundschaften schließt, so die Psychotherapeutin.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.

Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Healing Power of Pets“. (redaktionelle Bearbeitung as)



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