Bargeld und die Bäckerei Kamps: Die reduzierten Mehrwertsteuersätze erhält man nur bei bargeldloser Zahlung

Kamps „Innovations-Rabatt“: Wer bargeldlos zahlt, bekommt einen Rabatt von 3 Prozent. Damit gibt das Unternehmen die Umsatzsteuersenkung an alle Kunden weiter. Anders gesagt, wer mit Bargeld zahlen will, zahlt drauf und muss den alten Mehrwertsteuersatz berappen.
Titelbild
Einer der Läden der Bäckereikette Kamps 2018 in Berlin.Foto: Michele Tantussi/Getty Images
Von 19. August 2020

Ab 1. Juli gilt in den Bäckereien von Kamps ein besonderer „Innovations-Rabatt“. Wer bargeldlos zahlt, erhält den bis zum Jahresende ermäßigten Mehrwertsteuersatz weitergereicht. Wer mit Bargeld zahlt, muss sich mit dem alten Mehrwertsteuersatz zufriedengeben. Allerdings wird es nicht so deutlich benannt, es wird als Rabatt für Nicht-Barzahler beworben – „hygienisch, schnell, gespart“.

Bei der Bäckereikette heißt es: „Ab dem 01. Juli 2020 erhalten alle Kunden bei bargeldloser Zahlung in allen teilnehmenden Kamps-Bäckereien einen Rabatt in Höhe von 3 % auf den ausgewiesenen Verkaufspreis. Die Rabattierung gilt für alle Backwaren, Snacks und Getränke, und ist an keinen Mindestumsatz gebunden.“

Als die Bundesregierung im Juli den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16 Prozent und den ermäßigten für Lebensmittel und anderes von 7 auf 5 Prozent senkte, appellierte sie an die Unternehmen, die Preissenkung an die Kunden weiterzugeben.

Auf der Webseite der Regierung heißt es dazu unter der Überschrift: „Wie setzt der Handel die Mehrwertsteuersenkung um? Händler und Dienstleister können zum Beispiel pauschale Rabatte an der Kasse gewähren, ohne die Preisauszeichnung für den Zeitraum von einem halben Jahr ändern zu müssen. Maßgeblich dafür ist die Preisangabenverordnung. Die Bundesregierung ist zuversichtlich, dass die Senkung der Mehrwertsteuer möglichst unbürokratisch an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird.“

Die Maßnahme wird „dreist und unehrlich“, wie Norbert Häring es bezeichnet, in den rund 430 Kamps-Bäckereien Deutschlands als Innovation und Fortschritt verkauft. Eine Sprecherin des Unternehmens war für die Epoch Times noch nicht zu erreichen.

Bargeld mit „unverhältnismäßig hohen Kosten“ verbunden

Kamps sagt dazu: „Mit der Rabattierung auf bargeldlose Einkäufe geben wir die geplante Entlastung aus der Umsatzsteuersenkung an alle Kunden weiter, die bargeldlos bezahlen, und vermeiden gleichzeitig den administrativen Aufwand für eine umfassende Änderung der Preiskalkulation und -auszeichnung“, so Thomas Prangemeier, Geschäftsführer der Kamps GmbH.

Und weiter:

Eine Ausdehnung des Rabatts auch auf Bargeldzahlungen würde zu unverhältnismäßig hohen Kosten in der Bargeldver- und entsorgung führen und ist daher nicht möglich.“

Kamps plädiert seit langem für digitale Abrechnungen und veröffentlichte in seiner Presseerklärung am 29. Juli 2020: „Die Zahlung via Karte oder mobilem Endgerät ist nicht nur hygienisch, weil der Austausch von Bargeld entfällt, die Kunden können damit auch flexibler und schneller zahlen.“

Ihr Anliegen ist: Kamps will das Thema bargeldlose Bezahlung jetzt mit dem Innovations-Rabatt weiter forcieren und gewährt ab Anfang Juli in den teilnehmenden Filialen jedem Kunden 3% Nachlass bei mobiler oder Karten-Zahlung.“

Die Bäckereikette aus Schwalmtal unterstützt seine „Franchise-Partner in dieser besonderen wirtschaftlichen Situation“. Sie übernimmt „für die ersten 100 zusätzlich installierten Terminals die Installationskosten und zusätzlich für 3 Monate die Terminalgebühr“. Zu dem Support-Paket für die technische Infrastruktur gehören außerdem „entsprechende Dauerwerbemittel, um die Konsumenten auch direkt im Ladengeschäft auf den attraktiven Rabatt hinzuweisen“.

Die Kamps GmbH gehört zum französischen Konzern GROUPE LE DUFF, dem weltweit größten Konzern im Bereich Café und Bäckerei. In der Zentrale in Schwalmtal arbeiten rund 450 Mitarbeiter. 300 Franchise-Partner mit rund 3.500 Mitarbeitern bringen die Waren an die Kunden.

Bargeld und Corona?

Es gebe beim Bargeld kein besonderes Infektionsrisiko, sagt Johannes Beermann aus dem Vorstand der Bundesbank Mitte März 2020. „Die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung ist wesentlich geringer als bei anderen alltäglichen Gegenständen.“

René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts erklärte, Ihm sei bisher kein Fall bekannt geworden, in dem Geldscheine zur Übertragung des Coronavirus geführt hätten. Die Option, Bargeld unter Quarantäne zu stellen, halte er aus virologischer Sicht für „völlig überzogen“. Auch von Münzen gehe keine Gefahr aus. „Viren mögen die metallische Oberfläche nicht“, sagt Gottschalk.



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