Trump erhöht Druck auf deutsche Autobauer – Xi startet Charmeoffensive

Um das Rekordhandelsdefizit der USA von über 1,2 Billionen US-Dollar zu senken, führt Präsident Donald Trump ab dem 2. April massive Zollerhöhungen ein. Besonders betroffen sind Autoimporte, die mit zusätzlichen 25 Prozent belegt werden. Für die deutsche Autoindustrie bedeutet das erhebliche Herausforderungen, während Chinas kommunistischer Machthaber Xi sie umwirbt.
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Die USA erheben ab kommender Woche 25 Prozent Zölle auf Autoimporte.Foto: AFP via Getty Images
Von 30. März 2025

Um dem Rekordhandelsdefizit von mehr als 1,2 Billionen US-Dollar entgegenzuwirken, das die USA 2024 zu verzeichnen hatten, wird Präsident Donald Trump ab Mittwoch, 2. April, eine Reihe von Zöllen in Kraft setzen.

Für Importe aller Pkws und leichten Nutzfahrzeuge, die nicht in den USA produziert wurden, fallen Zusatzzölle von 25 Prozent an. Bislang betragen die Sätze 2,5 Prozent – und 25 Prozent für Pick-ups. Dazu kommen die Sekundärzölle auf Waren aus Ländern, die Öl oder Gas aus Venezuela beziehen. Zudem wird es auf alle Zölle, die andere Länder auf US-Waren erheben, reziproke Zölle geben.

Ab dem 3. April wird es zudem Zölle von 25 Prozent auf Autoteile geben. Alle Maßnahmen beruhen auf Sektion 232 des Trade Expansion Acts. Dieser ermöglicht es dem Präsidenten unter anderem aus Gründen der nationalen Sicherheit, Maßnahmen dieser Art zu verhängen.

Zölle keine Dauerlösung – aber kurzfristiger Meinungsverstärker

Die Maßnahmen sind in den USA selbst nicht unumstritten. Schließlich hatten die zunehmende globale Arbeitsteilung und die günstigeren Produktionsoptionen die Preise für Konsumenten gesenkt. Die Zölle könnten die Inflation anheizen und die Kaufkraft schwächen, befürchtet beispielsweise Fed-Chef Jerome Powell. Die Importeure würden die Kosten an die Konsumenten weiterreichen. Außerdem sei die US-Wirtschaft trotz der Handelsbilanzdefizite zuletzt stärker und dynamischer gewesen als andere.

Diese Wirkung von Zöllen ist auch der Regierung Trump bewusst – allerdings bestreiten auch Ökonomen, die diese kritisch sehen, nicht, dass dauerhafte Handelsdefizite langfristig Arbeitsplätze und industrielle Kapazitäten in einem Land verringern.

Auch Yao-Yuan Yeh von der Universität St. Thomas in Houston, Texas, sieht erhebliche Nachteile für den Arbeitsmarkt. Das chronische Handelsdefizit habe zur Abwanderung von Unternehmen in Länder mit günstigeren Produktionskosten beigetragen. Gegenüber der englischsprachigen Epoch Times erklärt er, im Regelfall entstehe das Defizit dadurch, dass der Wert der gekauften Waren, den der verkauften deutlich übersteige.

Trump setzt auf dreigleisige Strategie für den Standort

Gerade die Autoindustrie habe ihre Lieferkette so ausgerichtet, dass sie von billigeren Ressourcen in anderen Ländern profitieren. Die Investitionen gingen dorthin, Autoteile könnten bis zu achtmal nationale Grenzen überqueren, bevor die Endmontage erfolge. Die höhere Effizienz innerhalb der Lieferkette sei jedoch auf Kosten der Beschäftigung gegangen.

William Lee vom Milken Institute sieht in den Zöllen keine Dauerlösung, und die Regierung Trump sehe sie auch nicht als solche. Vielmehr seien sie Teil einer dreigleisigen Strategie. Trump wolle Regierungsausgaben und Steuern senken und die Wirtschaft deregulieren. Auf diese Weise sollen die USA zu einem dauerhaft attraktiven Produktionsstandort werden.

Die Zölle sollen eine flankierende Maßnahme sein. Sie sollen einen Anreiz schaffen, in den USA selbst zu produzieren. Dies machte auch Pressesprecherin Karoline Leavitt deutlich, als sie am 5.3. auf eine einmonatige Ausnahmegenehmigung zugunsten von Stellantis, Ford und General Motors einging. Diese hatte Trump ihnen nach einem Telefonat eingeräumt.

Weißes Haus will Rückkehr von Unternehmen in die USA forcieren

Allerdings erwarte das Weiße Haus im Gegenzug auch eine strategische Anpassung – in Form einer Verlagerung von Produktion zurück in die USA. Dies habe der Präsident im Gespräch auch deutlich gemacht:

„Er sagte ihnen, sie sollten sich darauf einlassen, anfangen zu investieren, sich zu bewegen, die Produktion hier in die Vereinigten Staaten von Amerika zu verlagern, wo sie keine Zölle zahlen werden. Das ist das letztendliche Ziel.“

Im Jahr 2024 trugen allein Automobile und Autoteile mit 274 Milliarden US-Dollar zum gesamten US-Handelsdefizit bei. Fast die Hälfte des negativen Saldos im Bereich der Autoindustrie ist auf das Defizit gegenüber Mexiko (117 Milliarden US-Dollar) zurückzuführen. Danach kommen Japan (50 Milliarden US-Dollar) und Südkorea (43 Milliarden US-Dollar). Deutschland liegt mit 24 Milliarden US-Dollar auf Rang 4.

Zölle werden auch deutsche Hersteller belasten

Für die deutsche Autoindustrie könnten die Zölle überaus nachteilige Folgen haben. Diese exportiert einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeuge in die USA. Hohe Zölle würden die ohnehin unter hohen Produktionskosten und politischen Regulierungen leidenden Autobauer zusätzlich belasten. Und das in einer Situation ohnehin stetig stärkerer Konkurrenz durch Billigimporte aus China.

Premiumhersteller, die traditionell von hohen Gewinnmargen profitiert haben, könnten gezwungen sein, entweder nachfragedämpfend ihre Preise anzuheben oder Margenverluste hinzunehmen. Eine Produktionsverlagerung in die USA könnte einen Ausweg darstellen.

Eine solche wäre kostspielig und würde die deutschen Standorte weiter unter Druck setzen. Deutschland hat jedoch im Vergleich zu den USA ohnehin schon höhere Energiekosten, strengere Umweltauflagen und höhere Lohnkosten. Dies könnte die Standortfrage für viele aktuell machen. BMW und Mercedes haben bereits jetzt Werke in den USA. Für kleinere Hersteller wie Audi oder Porsche würde eine Verlagerung möglicherweise schwieriger.

Xi verspricht Besserung beim Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen

Unterdessen hat Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking die CEOs führender deutscher Konzerne wie Mercedes, BMW und Siemens sowie Vertreter aus den USA und Südkorea umgarnt. Er warb für Investitionen in China und unterstrich deren Bedeutung für die moderne Entwicklung des Landes.

Immerhin waren die ausländischen Direktinvestitionen im Vorjahr so stark zurückgegangen wie seit der Weltfinanzkrise 2008 nicht mehr. Unternehmen beklagten belastende und benachteiligende Vorgaben. Außerdem hatten Herkunftsländer wie Deutschland für eine Diversifizierungsstrategie geworben.

Xi versprach den besseren Schutz von Investorenrechten und kündigte Marktöffnungen und Reformen an. Insbesondere in Bereichen wie Künstlicher Intelligenz warb Xi für Kooperationen. Einige Konzerne hatten solche angesichts schwächerer Nachfrage und steigender Konkurrenz bereits in Angriff genommen – beispielsweise mit Konzernen wie Alibaba.

EU-Handelskommissar nächste Woche in Peking

In der kommenden Woche wird es Gespräche zwischen der EU und China geben. Die EU-Handelskammer hat Handelskommissar Maros Sefcovic dazu aufgefordert, die Probleme europäischer Investoren in Peking anzusprechen. Der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen müsse verbessert werden – und auch zwischen der EU und China sei das Handelsdefizit ein Thema.

Die EU hatte Ende Oktober Zölle auf Elektroautos aus China in Kraft gesetzt. Diese sollen vorerst für fünf Jahre gelten. Der BYD-Konzern wird mit Zöllen von 17,0 Prozent belastet, Geely mit 18,8 und SAIC mit 35,3 Prozent. Unternehmen, die sich bereit zeigen, mit Brüssel über Preisverpflichtungen zu reden, können mit ermäßigten Sätzen von 20,7 Prozent rechnen. Für alle übrigen nicht kooperierenden Unternehmen gilt ein Zollsatz von 35,3 Prozent. Auf diese Weise soll der Vorteil der chinesischen Unternehmen aufgrund von Subventionen ausgeglichen werden.



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