IfW: Auswirkungen der US-Autozölle für Deutschland kurzfristig gering

Wie hoch sind die Konsequenzen der neuen US-Zölle für Deutschland? „Europa würde insgesamt eher wenig zu spüren bekommen“, erklärt IfW-Ökonom Hinz. Kurzfristig würde das BIP um 0,18 Prozent niedriger ausfallen.
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Der japanische Autogigant Honda kündigte 2024 die größte Automobilinvestition in der Geschichte Kanadas im Wert von 11 Milliarden US-Dollar an. Ab 2028 soll das Werk in Allison, Ontario, E-Autos produzieren.Foto: Peter Power/AFP via Getty Images
Epoch Times27. März 2025

Die Auswirkungen der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Autozölle dürften sich für Deutschland erst einmal in Grenzen halten.

Kurzfristig würde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,18 Prozent niedriger ausfallen, zeigen Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), über die das „Handelsblatt“ berichtet.

„Auch wenn die Autoindustrie global sehr sichtbar ist und ein Zollsatz von 25 Prozent im historischen Vergleich sehr hoch ist – außerhalb Nordamerikas bleiben die gesamtwirtschaftlichen Effekte überschaubar“, sagte IfW-Ökonom Julian Hinz, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Bielefeld.

Die geringen Auswirkungen hierzulande begründen sich laut Hinz dadurch, dass die Hersteller Autos in der Regel in der Nähe des Marktes bauen, wo sie verkauft werden. Deshalb würde „Europa insgesamt eher wenig zu spüren bekommen“.

Mexiko und Kanada stärker betroffen

Viele deutsche Automobilhersteller haben in den vergangenen Jahren ihre Fertigungskapazitäten in den USA ausgebaut.

Bisher lag der US-Zollsatz für den Import von Autos bei 2,5 Prozent. Die Zölle der EU auf importierte Pkw betragen 10 Prozent, bestimmte Fahrzeugtypen können davon abweichen.

Der Verband der Deutschen Autoindustrie (VDA) kritisierte die Zölle als ein „fatales Signal für den freien und regelbasierten Handel“.

Sie seien eine „erhebliche Belastung sowohl für die Unternehmen als auch die eng verwobenen globalen Lieferketten der Automobilindustrie – mit negativen Folgen vor allem für die Verbraucherinnen und Verbraucher – auch in Nordamerika“, erklärte VDA-Chefin Hildegard Müller.

Stärker betroffen wären die US-Nachbarländer. Das BIP von Mexiko würde laut IfW kurzfristig, also innerhalb etwa eines Jahres, um 1,81 Prozent zurückgehen, das von Kanada um 0,6 Prozent. In Mexiko produzieren viele Autohersteller aufgrund günstigerer Lohnkosten für den US-Markt.

Die Zölle würden auch das gesamtwirtschaftliche Preisniveau beeinflussen. In den USA erhöhen sie die Verbraucherpreise um ein Prozent, zeigt das IfW-Modell. In Mexiko sinken die Verbraucherpreise um 1,75 Prozent. In Deutschland wäre dieser Effekt geringer, die Verbraucherpreise würden um 0,37 Prozent sinken.

Den Berechnungen ist unterstellt, dass bereits der 25-prozentige Zoll auf Auto-Exporte in die USA gilt. Trump hat angekündigt, schrittweise auf diesen Wert kommen zu wollen. Außerdem sind mögliche Gegenmaßnahmen der EU nicht eingerechnet.

Kanada: Angriff gegen kanadische Arbeiter

Der neue kanadische Premierminister Mark Carney verurteilte die Ankündigung als „direkten Angriff“ gegen kanadische Arbeiter. „Wir werden unsere Arbeiter verteidigen. Wir werden unsere Unternehmen verteidigen. Wir werden unser Land verteidigen“, erklärte er.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte, sein Land könne als Reaktion auf die Zölle „nicht stillhalten“. „Wir werden den Ansatz wählen, der aus unserer Sicht nach gut für Brasilien sein wird“, sagte er.

Auch Japans Regierungschef Shigeru Ishiba kündigte „angemessene“ Schritte als Reaktion auf die Zölle an. „Wir müssen nach dieser Ankündigung über angemessene Maßnahmen nachdenken“, sagte Ishiba am Donnerstag im Parlament. „Natürlich werden wir alle Optionen in Betracht ziehen.“

(dts/dpa/red)



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