Das stille Geheimnis: Wie man ein guter Zuhörer wird

Aktives Zuhören, Reflektieren und das Erkennen des „Warum“ fördern eine tiefere Verbindung und das Vertrauen in Beziehungen.
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Zuhören schafft Vertrauen und eine gemeinsame Basis.Foto: :DGLimages/iStock
Von 28. Februar 2025

Wir leben in einer Lawine von Geräuschen. Aus allen Richtungen prasseln Wörter auf uns ein – aus dem Radio, dem Fernsehen, Podcasts, Blogs – und jeder ist begierig darauf, seine Meinung mitzuteilen. Wir kämpfen mit innerem Lärm, dem ständigen Rauschen unserer eigenen Gedanken. Pläne, Sorgen, Hoffnungen und unser Selbstmitleid summen in unseren Ohren.

Bei all diesen Geräuschen kann es schwierig sein, zuzuhören. Es kann schwierig sein, wirklich zu hören, was ein anderer Mensch uns zu sagen versucht. Oft schenken wir anderen nur ein Ohr, statt zwei und nehmen ihre Worte nur halb auf, während unsere Aufmerksamkeit vom Strom unserer eigenen Gedanken oder der Flut von Informationen auf unserem Handy abgelenkt wird.

Doch wahres Zuhören birgt eine starke Kraft zum Wohle aller. Starke Fähigkeiten des Zuhörens haben das Potenzial, fast jeden Bereich unseres Lebens zu verbessern, von der Arbeit über die Familie bis hin zur Politik. Gutes Zuhören reduziert Missverständnisse, stärkt die Verbindung, zeigt Respekt gegenüber anderen und schafft Vertrauen.

Zuhören als Schlüssel bei Konflikten

Der Autor und Redner Simon Sinek geht sogar so weit zu sagen, dass Zuhören die beste Möglichkeit ist, Vertrauen und Gemeinsamkeiten mit jemandem aufzubauen. Dies wiederum hat Auswirkungen bei der Deeskalation von Konflikten auf allen Ebenen – von den persönlichen bis zu internationalen.

Sinek bemerkt: „Zuhören ist der Weg, um Vertrauen zu jemandem aufzubauen – es ist der Weg, um in einfachen geschäftlichen Angelegenheiten, aber auch in komplizierteren Fällen der nationalen Politik, der Weltpolitik oder im Krieg, eine gemeinsame Basis trotz aller Gegensätze zu finden.“

Sinek weist auch darauf hin, dass Zuhören selten, wenn überhaupt, als Fähigkeit gelehrt wird. Die meisten von uns haben einen Rhetorikkurs besucht, aber „Zuhörkurs 101“ sucht man im Vorlesungsverzeichnis jeder Hochschule vergeblich.

„Als Kultur betrachten wir Zuhören als einen automatischen Prozess, über den es nicht viel zu sagen gibt“, schreibt M.M. Owen, Autor und digitaler Marketingspezialist. „Wenn das Konzept des Zuhörens überhaupt angesprochen wird, dann im Zusammenhang mit professioneller Kommunikation; etwas, das von Führungskräften und Mentoren verfeinert werden muss, aber eine Spezialisierung, die alle anderen gerne ignorieren können.“

Wie jede Fähigkeit ist auch das Zuhören für die meisten von uns nicht selbstverständlich. Wir brauchen vielleicht Anleitung und Übung, um ein besserer Zuhörer zu werden und die in Aussicht gestellten Früchte zu ernten. Und die sind so süß wie versprochen.

„Gut zuhören, das habe ich erst spät entdeckt“, führt Owen aus, „ist eine Art Zaubertrick: Beide Parteien werden zugänglicher, blühen auf, sind weniger isoliert.“ Und das ist sicherlich etwas, das wir uns alle mehr erlauben könnten.

Hier nun einige Anregungen, ein besserer Zuhörer zu werden.

Aktives Zuhören üben

M.M. Owens erfuhr zunächst selbst die Freude, mit jemandem zu sprechen, der einem seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Das motivierte ihn selbst, so werden zu wollen. Auf dem Weg dahin, ein besserer Zuhörer zu werden, wandte sich Owens der Arbeit des Psychologen Carl Rogers aus dem 20. Jahrhundert zu. Er war es, der den Begriff des „aktiven Zuhörens“ prägte.

Rogers glaubte, dass ein sorgfältiges, tiefes und mitfühlendes Zuhören Menschen verändern kann, und er wandte diese Technik in seiner therapeutischen Praxis an, obwohl er sie auch im Alltag für anwendbar hielt. Owens sagt, dass aktives Zuhören für Rogers „einer der wichtigsten Faktoren war, damit sich eine andere Person weniger allein, weniger festgefahren und fähiger zur Selbsterkenntnis fühlt“.

Laut The Harvard Business Review besteht aktives Zuhören aus drei Teilen.

  • Kognitiv: Dieser Aspekt erfordert, dass Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit mental auf die Informationen richten, die Ihr Gesprächspartner zu vermitteln versucht – sowohl äußerlich sichtbar als auch innerlich.
  • Emotional: Ein guter Zuhörer muss emotional ausgeglichen sein, auch wenn die Informationen, die er erhält, möglicherweise beunruhigend sind. Die wichtigste Emotion, die es hier zu kultivieren gilt, ist Mitgefühl.
  • Im Verhalten: Es reicht nicht aus, nur zuzuhören. Die andere Person muss wissen, dass Sie zuhören. Dies zeigen Sie durch verbale und nonverbale Signale – wie Augenkontakt, Nicken und Blickkontakt zum Sprecher.

Wenn Sie sich kognitiv, emotional und in Ihrem Verhalten für das öffnen, was die andere Person zu kommunizieren versucht, ermöglicht dies eine echte Begegnung von Geist und Herz. Es ist möglich, Dinge zu entdecken, von denen keine der Parteien wusste, dass sie existieren.

Die Worte des anderen wiedergeben

Wenn Sie die Worte eines anderen versuchen wiederzugeben, spiegeln Sie, was er Ihnen gesagt hat. Fragen Sie dabei, ob Sie es richtig verstanden haben oder nicht. Dies hat viele Vorteile.

Der klinische Psychologe Ali Mattu beschreibt einige davon: „Es zeigt der anderen Person, dass Sie tatsächlich zuhören. Sie interessieren sich wirklich für das, was er oder sie sagt. Zweitens zwingt es Sie dazu, den Teil Ihres Gehirns abzuschalten, der unterbrechen oder Ratschläge erteilen möchte, und es zwingt Sie dazu, den Teil Ihres Gehirns zu aktivieren, der für Empathie, Verständnis und Mitgefühl zuständig ist.“

Mattu merkt an, dass dieser Prozess auch Missverständnisse ausräumen kann. In seiner eigenen therapeutischen Praxis stellte er fest, dass seine Wiedergabe der Worte und Erfahrungen des Klienten gelegentlich falsch war. Er hatte etwas missverstanden oder ein wichtiges Detail übersehen. Dadurch, dass er sein Verständnis laut aussprach, konnte er es sofort klären.

Natürlich ist es beim Wiedergeben wichtig, so fair und genau wie möglich zu sein. Verdrehen Sie die Worte anderer nicht nach Ihrer eigenen Agenda. Das führt nur zu Frustration.

Der Psychologe Jordan Peterson nennt diese Technik „Zusammenfassen zur Zufriedenheit“. Das heißt, Sie müssen sicherstellen, dass Sie die Äußerungen Ihres Gesprächspartners so wiedergeben können, dass er sie für zutreffend und zufriedenstellend hält.

Vermeiden Sie ein Umdeuten

Hinter dem schlecht Zuhören können, lauert oft das subtile Monster des Egos. Wir hören oft nicht zu, weil wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind.

Owens berichtet mit schonungsloser Offenheit: „Als junger Mensch habe ich Gespräche genossen. Aber ein tiefsitzender, stetiger Egoismus sorgte dafür, dass ich eigentlich das Reden genoss. Wenn jemand anderes an der Reihe war zu reden, fühlte sich das Zuhören oft wie eine lästige Pflicht an. Ich konnte zwar passiv aufnehmen, was gesagt wurde – aber ein größerer Teil von mir träumte, schwelgte in Erinnerungen und schmiedete Pläne. Auch hatte ich die Angewohnheit zu unterbrechen.“

Wenn wir daran arbeiten, unser eigenes Ego zu zügeln und anderen wirklich zuzuhören, wenn sie sprechen, lernen wir, mit dem Tagträumen aufzuhören und uns darauf zu konzentrieren, was sie tatsächlich sagen.

Aber das Ego-Monster hat noch subtilere Tricks auf Lager. Ein solcher Trick ist die Umdeutung. Wir hören dem anderen zu, aber finden einen Weg, das Gesagte auf uns selbst zu beziehen – oder es auf uns selbst zu übertragen.

„Ich hatte heute eine wirklich hohe Rechnung für den Klempner zu bezahlen“, sagt Ihr Freund. „Wirklich? Ich musste einmal 3.000 Dollar bezahlen, nur damit mein Spülbecken richtig abläuft. Ob Du es glaubst oder nicht! Der Klempner war den ganzen Tag draußen und schien nur herumzuspielen, aber als er endlich […]“ In diesem Fall ist klar, dass ich nur zugehört habe, um wieder reden zu können – und zwar nur über mich selbst.

Bemühen Sie sich, die Gesamtbedeutung zu verstehen

Im Beispiel mit dem Klempner würde ein aufmerksamer Zuhörer wahrscheinlich erkennen, dass sein Freund wegen der überhöhten Rechnung Mitgefühl sucht. Die einfachen Worte „Ich hatte eine wirklich hohe Rechnung für den Klempner“ erzählt nur einen Teil der Geschichte. Der Sprecher versucht, mehr als nur eine Tatsache mitzuteilen, höchstwahrscheinlich ein Gefühl und das Bedürfnis nach Mitgefühl.

Carl Rogers begriff, wie wichtig es ist, nicht nur zu verstehen, was gesagt wird, sondern auch, warum es gesagt wird. Er nennt es Gesamtbedeutung.

Owens fasst dies wie folgt zusammen: „Es bedeutet, sowohl den Inhalt dessen, was gesagt wird, als auch das diesem Inhalt zugrunde liegende Gefühl oder die Einstellung dazu auf intuitive Weise zu erfassen. Oft möchte eigentlich das Gefühl ausgedrückt werden und der Inhalt ist eher ein Vehikel dafür. Um das transportierte Gefühl zu erfassen, ist echte Konzentration erforderlich, insbesondere da nonverbale Hinweise – Zögern, Murmeln, Veränderungen in der Körperhaltung – von entscheidender Bedeutung sind. Wenn wir abschalten und nur halb zuhören, entgeht uns die Gesamtbedeutung völlig.“

Wenn wir nur halb zuhören und die Botschaft der anderen Person auf Unverständnis oder Gleichgültigkeit stößt, kann es sein, dass sich die Person in sich selbst zurückzieht und die Möglichkeit einer Verbindung so schnell verschwindet wie das Licht einer ausgelöschten Kerze.

Denn die Worte zu verstehen, aber nicht die Gesamtbedeutung, ist oft schlimmer, als gar nichts zu verstehen.

Neue Welten werden sich erschließen

Diese Liste an Zuhörtechniken ist bei Weitem nicht vollständig. Und wenn man sie ausprobiert, wird man nicht sofort zu einem besseren Zuhörer. Aber jeder Beitrag, den wir zu einer Welt des tiefergehenden Zuhörens leisten, trägt zu gegebener Zeit Früchte.

Der Psychologe Jordan Peterson hat beobachtet, dass es nichts gibt, was Menschen einem nicht erzählen würden, wenn man ihnen zuhört. Dies kann ein großes Geschenk sein, das es uns ermöglicht, eine tiefe Verbindung zu anderen Menschen herzustellen und eine größere Welt zu entdecken, wenn wir nur unsere Ohren öffnen.

Peterson erinnert sich: „Ich hatte in meiner klinischen Praxis Menschen, die intellektuell außerordentlich beeinträchtigt waren und zusätzlich unter allen möglichen Pathologien litten, und wenn ich ihnen richtig zuhörte, waren sie genauso faszinierend wie alle anderen, die zu der Seite der fähigeren und kompetenteren Menschen zählten.“

Wenn wir anderen geduldig und aufmerksam zuhören, wird uns die Welt nicht nur vollständiger offenbart, sondern es kann uns auch dabei helfen, die Spaltungen zu heilen, die sie plagen.

 

Über den Autor:

Bevor Walker Larson freiberuflicher Journalist und Kulturautor wurde, unterrichtete er Literatur und Geschichte an einer Privatakademie in Wisconsin. Ebendort lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter. Er hat einen Master in englischer Literatur und Sprache und seine Texte wurden in „The Hemingway Review“, „Intellectual Takeout“ und seiner Onlinepublikation „The Hazelnut“ veröffentlicht. Er ist außerdem Autor der Romane „Hologram“ und „Song of Spheres“.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Silent Secret: How to Be a Good Listener“. (deutsche Bearbeitung so)



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