ÖPNV: Kosten für E-Busse 30 Prozent höher als für Diesel-Antriebe

Im öffentlichen Nahverkehr sind immer mehr E-Busse unterwegs. Doch seit dem Wegfall einer Bundesförderung halten sich die Unternehmen mit ihren Planungen zurück.
Hamburg ist die Stadt mit den meisten E-Bussen in der ÖPNV-Flotte. (Archivbild)
Hamburg ist die Stadt mit den meisten E-Bussen in der ÖPNV-Flotte.Foto: Marcus Brandt/dpa
Epoch Times30. März 2025

E-Busse gehören mittlerweile zum festen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs. Seit 2020 ist der Fahrzeugbestand bei den Verkehrsunternehmen auf fast 3.400 Elektrobusse gestiegen, wie aus einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC hervorgeht. Fast die Hälfte davon kam innerhalb der vergangenen zwei Jahren hinzu.

Fast 2.000 neue Fahrzeuge in diesem Jahr

Für 2025 planen die Verkehrsunternehmen demnach, insgesamt knapp 2.000 neue Elektrobusse anzuschaffen. Bei den meisten davon handelt es sich um Batterie-Fahrzeuge. Einen kleineren Anteil machen Busse aus, die ihren Strom aus Oberleitungen beziehen – wie in der nordrhein-westfälischen Stadt Solingen – sowie Brennstoffzellenbusse.

Städte sind Vorreiter beim E-Bus-Hochlauf. Allein zwischen 2020 und 2024 hat sich die Zahl der Kommunen mit emissionsfreien Bussen im ÖPNV auf 180 mehr als verdoppelt. Mit mehr als 565 Fahrzeugen führt Hamburg die Liste an. Berlin kommt derzeit auf 227 E-Busse und will die Zahl bis 2027 nahezu verdoppeln.

Der rasche Hochlauf hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es gesetzliche Vorgaben des Bundes, wonach ein gewisser Anteil neu anzuschaffender Stadtbusse emissionsfreie Antriebe haben muss.

Bis Ende dieses Jahres liegt dieser Anteil für Verkehrsunternehmen bei 22,5 Prozent der Neuanschaffungen. Ab 2026 sind es dann 32,5 Prozent. Für Busse, die in ländlichen Regionen im Regionalverkehr eingesetzt werden, gelten diese Quoten nicht.

Bund hat Förderung eingestellt

Zum anderen hat der Bund die Anschaffung von Bussen mit alternativen Antrieben finanziell gefördert. Diese Förderung hat die alte Bundesregierung infolge des Haushaltsurteils des Bundesverfassungsgerichts eingestellt.

Doch weil zwischen der Bestellung neuer Fahrzeuge und deren Auslieferung stets einige Zeit vergeht, fallen viele der in diesem Jahr hinzukommenden Fahrzeuge noch unter die Unterstützung des Bundes.

Somit wird sich der Neukauf von E-Bussen nach jetzigen Planungen der Verkehrsunternehmen, die PWC abgefragt hat, in den kommenden Jahren deutlich verlangsamen. 2026 könnten dann nur noch rund 1.200 neue Elektrobusse hinzukommen, 2027 sogar nur rund 450.

Kosten für E-Busse ein Drittel höher als für Diesel-Antriebe

Das Problem sind die nach wie vor hohen Anschaffungskosten. Zwar sind Elektrobusse im Betrieb aufgrund der niedrigeren Energiekosten deutlich günstiger als Dieselfahrzeuge. Doch der Bedarf an mehr Fahrzeugen aufgrund niedrigerer Reichweiten, der Aufbau einer Ladeinfrastruktur und der Preis der Busse an sich führen zu erheblich höheren Kapitalkosten.

„Ein im Jahr 2023 neu zugelassener Batteriebus kostet als Depotlader über den gesamten zwölfjährigen Lebenszyklus (bei 55.000 km Laufleistung pro Jahr) etwa 30 Prozent mehr als ein Dieselbus“, schreiben die PWC-Analysten.

Diese Kostenlücke dürfte sich im Laufe der kommenden Jahre zwar etwas verringern. Ganz verschwinden wird sie aber nicht.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen ihre E-Busflotte von derzeit 227 Fahrzeugen in den nächsten drei Jahren nahezu verdoppeln. (Archivbild)

Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen ihre E-Busflotte von derzeit 227 Fahrzeugen in den nächsten drei Jahren nahezu verdoppeln. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Emissionsfreiheit bei Neuzulassungen ab 2035

Ohne flankierende Finanzierungs- und Förderinstrumente bestehe deshalb das Risiko, „dass der Umstieg auf E-Busse zulasten des ÖPNV-Angebots geht, was den klima-, verkehrs-, sozial- und strukturpolitischen Zielsetzungen widersprechen würde“.

Daher sei ein entsprechendes Bekenntnis der neuen Bundesregierung für eine solche Förderung wichtig.

Bereits ab 2030 müssen infolge einer EU-Verordnung 90 Prozent aller neu zugelassenen Stadtbusse emissionsfrei sein, ab 2035 dann alle.

Die Stadtbusflotte beläuft sich derzeit auf insgesamt rund 35.000 Fahrzeuge. Nach bisherigen Planungen wären bis 2030 rund 9.100 mit entsprechenden Antrieben ausgestattet. (dpa/red)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion