Kirchen schrumpfen – Münster löst Köln als größtes katholisches Bistum ab

Das Bistum Münster hat das Erzbistum Köln als mitgliederstärkstes Bistum der katholischen Kirche in Deutschland abgelöst.
Nach der am Donnerstag von der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn veröffentlichten Kirchenstatistik für das vergangene Jahr gibt es in Münster 1,63 Millionen Katholiken, in Köln noch 1,627 Millionen. Damit ist das Bistum Münster erstmals das größte katholische Bistum in Deutschland.
Das Erzbistum Köln verlor seine hervorgehobene Position wegen der dort seit langem viel höheren Austrittszahlen.
In den vergangenen vier Jahren waren dort insgesamt 160.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten – die Austritte stiegen massiv an, als der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wegen seiner Aufarbeitung des Missbrauchskandals immer stärker in die Kritik geriet.
Erstmals weniger als 20 Millionen Katholiken
Insgesamt schrumpfen sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche weiter. Katholiken gibt es nach der neuen Kirchenstatistik noch 19,77 Millionen, womit diese 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.
Die Zahl der Protestanten sank nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover um 3,2 Prozent auf 17,98 Millionen.
In beiden Kirchen verringerten sich die Austrittszahlen. Der katholischen Kirche kehrten 321.611 Menschen den Rücken, der evangelischen Kirche 345.000 Menschen.
Neben den Austritten sorgt vor allem die deutlich über der Zahl der Taufen und Wiedereintritte liegende Zahl der Sterbefälle für das anhaltende Schrumpfen der großen christlichen Kirchen.
EKD-Ratsvorsitzende: Einschnitte unausweichlich
Die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs hält wegen der kleiner werdenden evangelischen Kirche Einschnitte für unausweichlich. Eine Kirche, die sich immer weniger auf solidarische Unterstützung von Menschen verlassen könne, müsse künftig verstärkt auswählen, wo sie mit ihren begrenzten Mitteln wirksam sein könne, erklärte sie.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, teilte dazu mit, die Kirche dürfe vor den Zahlen nicht die Augen verschließen. „Sie fordern uns heraus, neu zu fragen: Für wen sind wir als Kirche da?“, schrieb Bätzing auf der Website seines Limburger Bistums.
„Deshalb braucht es neue Wege, mutige Schritte und vor allem den festen Willen, sich an der Wirklichkeit zu orientieren“, so Bätzing. Menschen hätten nach wie vor hohe Erwartungen an die Kirche – besonders in den Bereichen Bildung, Erziehung und soziale Verantwortung.
Diese Erwartungen müssten bei knapper werdenden Ressourcen handlungsleitend sein. „Es gilt, Zukunftsfelder zu identifizieren, die nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen sind – besonders an jungen Menschen und ihren Familien.“
(afp/dpa/red)
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