Insekten in Lebensmitteln: Nische oder Trend?

Seit 2021 dürfen Insekten in der EU im Essen landen – große Skepsis inklusive. Wie sieht es vier Jahre später bei den Verbrauchern sowie im Supermarkt aus?
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Insekten essen? Die meisten Deutschen würden das nicht tun.Foto: trumzz/iStock
Epoch Times13. März 2025

Insekten findet man hierzulande bislang eher in der Natur als auf dem Teller. Doch immer mehr Insekten werden durch die Europäische Union als Lebensmittel beziehungsweise als deren Bestandteile in der EU zugelassen.

Seit Kurzem darf etwa UV-behandeltes Insektenpulver aus Larven des Mehlkäfers in Lebensmitteln verwendet werden. Der Markt entwickelt sich eher schleppend. Ein Überblick:

Was halten Menschen von Insekten zum Essen?

Mit 83 Prozent hat die große Mehrheit in Deutschland einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa zufolge bislang keine Insekten gegessen. Knapp jeder Zehnte (8 Prozent) hat die Tiere bereits bewusst gegessen und 18 Prozent antworteten, dass sie diese probieren würden.

Fast zwei Drittel der Befragten gab an, bisher keine Insekten gegessen zu haben und dies auch in Zukunft nicht zu wollen.

Auf Platz eins der Gründe, die die Menschen vom Konsum abhalten, liegt Ekel (62 Prozent). Dahinter folgten kulturelle Gewohnheiten (24 Prozent) und unbekannte Inhaltsstoffe (22 Prozent). 14 Prozent gaben an, es gebe keine Gründe, die sie davon abhielten.

In welchen Lebensmitteln können Insekten vorkommen?

Tatsächlich in vielen: Laut Lebensmittelverband Deutschland können Wanderheuschrecke, Hausgrille und Co. etwa in Brot, Nudeln, Fleischersatzprodukten, Keksen, Soßen, Kartoffelerzeugnissen, Pizzen, Molkenpulver oder auch Schokolade stecken.

Können sie in Lebensmitteln „versteckt“ werden?

Nein. In der Zutatenliste muss eindeutig angegeben sein, wenn sich etwa ein Käfer oder eine Heuschrecke im Produkt befindet – und zwar sowohl mit der lateinischen Bezeichnung als auch mit dem geläufigen Namen.

Das gilt nicht nur für Nahrungsmittel aus Supermärkten, sondern auch für Produkte vom Bäcker. Aus den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck geht laut Christopher Kruse, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, klar hervor, welche Zutaten in gängigen Brotsorten enthalten sein dürfen. „Sollte ein Bäcker hiervon abweichen wollen, müsste er das gesondert kennzeichnen“, sagt Kruse.

Außerdem sind Lebensmittel mit Insektenanteilen bisher etwas Besonderes, deswegen sollen diese Zutaten oft direkt auf den ersten Blick erkennbar sein, so der Lebensmittelverband Deutschland.

Was sagen Rewe, Edeka, Kaufland und Co?

„Generell liegen uns keine dezidierten Marktinformationen über Lebensmittel mit Insektenanteil vor“, teilt der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels mit.

Rewe, Edeka, Kaufland, Aldi, Lidl, Penny und Netto geben an, in ihren Eigenmarken keine Produkte mit Insektenbestandteilen im Sortiment zu führen.

Die Produktion nimmt laut nach Branchenangaben zu. 2023 lag laut International Platform of Insects for Food and Feed, einer europäischen Interessenorganisation des Insektenproduktionssektors, die Gesamtproduktion von Insekten für den menschlichen Verzehr EU-weit bei etwas mehr als 800 Tonnen. Schätzungen für 2025 sprechen demnach von 2.755 Tonnen.

Was ist in der EU erlaubt?

Insekten gelten als sogenannte neuartige Lebensmittel und müssen von der EU zugelassen werden, bevor sie auf den Markt gebracht werden können.

2021 ließ die Europäische Kommission erstmals Insekten in Lebensmitteln zu. So ist der Mehlkäfer in verschiedenen Formen und Varianten erlaubt – etwa gefroren, getrocknet und als Pulver. Zudem dürfen Wanderheuschrecken (Locusta migratoria), Hausgrillen (Acheta domesticus) sowie der Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus) – auch unter dem Namen Buffalowurm bekannt – verarbeitet werden.

Vor wenigen Wochen hat die Kommission zudem die Verwendung von UV-behandeltem Pulver ganzer Larven des Mehlkäfers (Larven von Tenebrio molitor) genehmigt.

Außerdem gibt es laut Kommission weitere Anträge für Insekten, die in verschiedenen Formen vermarktet werden sollen. Diese werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit einer Sicherheitsbewertung unterzogen.

Wächst der Markt?

„Aktuell sieht es nicht danach aus, dass der Markt für Lebensmittel mit Insekten als Zutat wächst“, heißt es vom Lebensmittelverband Deutschland.

Zudem sei etwa Mehl aus Insekten teurer als das aus Weizen. Das heißt, dadurch werden Lebensmittel auch entsprechend teurer. „Bisher stellt die Insektenzucht eine Nische auf dem Lebensmittelmarkt dar“, sagt Verbraucherschützerin Rubach. (dpa/red)



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