Frankreich: Wirtschaft wächst 2019 doppelt so stark wie die deutsche – Plus von 1,3 Prozent

Nach umfassenden Arbeitsmarktreformen kann Frankreich nach einer aktuellen OECD-Prognose ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent im Jahr 2019 verzeichnen. Das sind um 0,6 Prozent mehr als in Deutschland. Experten rechnen damit, dass der Trend sich fortsetzt.
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Im Hafen Fos-sur-Mer in der Nähe von Marseille.Foto: iStock
Von 30. Dezember 2019

Mit einem von der OECD prognostizierten Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent liegt Frankreich 2019 deutlich unter dem weltweiten Schnitt von 3,2 Prozent und auch deutlich unter jenem von Ländern wie Mexiko (1,6), Südkorea (2,4), Saudi-Arabien (2,5) oder den USA (2,8). An der Spitze der G20 liegen Indien (7,2 Prozent), China (6,2) und Indonesien (5,1), die allerdings von einem deutlich niedrigeren Level aus wachsen.

Ein Nachbarland lässt Frankreich damit aber deutlich hinter sich: Deutschland kommt mit einem Plus von 0,7 Prozent nur auf etwas mehr als die Hälfte. Für den französischen Chefökonom Ludovic Subran ein Grund, die Reformpolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron jetzt schon zum Erfolg zu erklären. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ äußerte er:

Frankreich befindet sich dank Macrons Reformpolitik in Aufbruchstimmung. Deutschland hingegen wirkt zunehmend wie eine gestrandete Volkswirtschaft.“

Deutschland hat Mittel – aber nicht den Willen?

Die Entwicklung werde sich fortsetzen. Das – vor allem durch den Druck einer ideologisierten Politik erzwungene – Ende der Diesel-Ära schaffe eigentlich, so Subran, eine Notwendigkeit für die Auto-Nation Deutschland, sich zu positionieren und zu investieren. Allerdings blieben Impulse vonseiten der Politik aus: „Das lässt die Unternehmen zögern, Geld in die Hand zu nehmen, obwohl genug Mittel da wären.“

Im Jahr 2017 hatte Deutschland noch vor Frankreich gelegen. Nun räche es sich, meint der seit Oktober amtierende Allianz-Chefökonom Holger Schmieding, dass man in Deutschland so lange geglaubt habe, das als notorisch reformunwillig geltende Frankreich wäre auch nicht reformfähig. Mittlerweile aber stehe der Nachbar im Westen besser da – nicht zuletzt dank einer weniger zyklisch aufgestellten Industrie und struktureller Verbesserung infolge tiefgreifender Arbeitsmarktreformen.

Einwände, Frankreich habe sich seinen – wenn auch im weltweiten Vergleich bescheidenen – Wirtschaftsboom durch Schulden erkauft, hält Schmieding für unzutreffend. Es sei vielmehr zu einem realen Wachstum der Beschäftigungsquote gekommen. In Deutschland habe sich dieser Effekt infolge der Reformen unter Bundeskanzler Gerhard Schröder eingestellt:

Wir haben es in Deutschland dank der Agenda 2010 auch erlebt, dass, wenn die Beschäftigungsquote steigt, man auch den Haushalt in den Griff bekommt, weil einfach die Zahl der Beitragszahler wächst.“

OECD rechnet nicht mit deutlicher Verbesserung

Deutschland hätte Spielraum für Reformen, nutze diesen jedoch nicht. Man ruhe sich auf darauf aus, dass es dem Land derzeit gut gehe. Dies mindere den Druck, etwas zu tun. In der nächsten Krise sei es dafür jedoch zu spät.

Für 2020 rechnen die OECD-Ökonomen mit einem weltweiten Wachstum um 3,4 Prozent. Für viele wichtige Volkswirtschaften haben die Autoren des Berichts die Wachstumserwartungen jedoch nach unten korrigiert. Sie gehen davon aus, dass die derzeitigen Wachstumsraten für wesentliche Verbesserungen bei Beschäftigung und Lebensstandard nicht ausreichen.

Handelskonflikte, politische Unsicherheiten, Risiken an den Finanzmärkten und ein verringertes Wirtschaftswachstum in China seien wesentliche Gründe für eine Verlangsamung der Wachstumsraten insgesamt, heißt in der aktuellen Prognose.



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