Bundespolitiker fordern NATO-Widerstand gegen USA-Grönland-Pläne

Politiker von SPD, Union und Grüne fordern eine „deutliche Ansage aus Europa und von der NATO“ auf die Aktivitäten der USA. Die dänische Souveränität müsse gewahrt bleiben.
Titelbild
Traditionelle grönländische Häuser vom Aussichtspunkt Myggedalen aus gesehen, 28. März 2025 in Nuuk, Grönland.Foto: Leon Neal/Getty Images
Epoch Times30. März 2025

Angesichts zunehmender Absichten der US-Regierung gegenüber Grönland fordern Politiker von SPD, Grünen und Union mit teilweise scharfen Worten die Wahrung der dänischen Souveränität.

Die Aktivitäten der USA verlangten eine „deutliche Ansage aus Europa und von der NATO“, sagte Andreas Schwarz, SPD-Verteidigungshaushälter, dem „Tagesspiegel“. Man müsse erreichen, dass US-Präsident Donald Trump „von seiner völkerrechtswidrigen Idee Abstand nimmt“.

Auch Agnieszka Brugger, stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende, forderte, die übrigen NATO-Staaten sollten nun „Klartext reden und danach handeln“.

Klarheit und Stärke seien die „einzige Sprache, die die Trumpisten zu verstehen scheinen“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. Wer sich heute „bequem oder feige“ wegducke, riskiere, der Nächste zu sein, der von Trump erpresst werde.

Seit 1979 ist Grönland in vielen Bereichen autonom, doch über Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet weiterhin die ehemalige Kolonialmacht Dänemark.

Dänemark über Vance: Der Ton macht die Musik

Die dänische Regierung wies die Vorwürfe von US-Vizepräsident JD Vance wegen ihres Umgangs mit Grönland zurück. „Wir sind offen für Kritik, aber um ehrlich zu sein, schätzen wir den Ton nicht, in dem sie formuliert wurde“, sagte Außenminister Lars Lökke Rasmussen am Samstag im Onlinedienst X.

„So redet man nicht mit engen Verbündeten – und ich betrachte Dänemark und die USA immer noch als enge Verbündete“, fuhr der dänische Chefdiplomat fort.

US-Vizepräsident JD Vance (m) und Second Lady Usha Vance (m.l.) mit Mitarbeitern der US-Militärbasis Pituffik Space Base am 28. März 2025 in Pituffik, Grönland. Die Reiseroute wurde nach Kritik von Beamten in Grönland und Dänemark gekürzt. Dänemark kontrollierte die Außen- und Verteidigungspolitik des Gebiets. Foto: Jim Watson – Pool / Getty Images

Vance hatte vor zwei Tagen mit seiner Frau und dem Nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz dem US-Militärstützpunkt Pituffik in Grönland besucht.

„Unsere Botschaft an Dänemark ist sehr einfach: Sie haben keine gute Arbeit für die Menschen in Grönland geleistet“, sagte der US-Vizepräsident dabei. Die dänische Regierung habe „zu wenig in die Menschen in Grönland“ sowie zu wenig in die Sicherheitsarchitektur investiert.

Stärkere Militärpräsenz möglich

Lökke Rasmussen wies die Vorwürfe zurück und bot Verhandlungen mit den USA an. „Das Verteidigungsabkommen von 1951 bietet den USA zahlreiche Möglichkeiten, eine stärkere Militärpräsenz auf Grönland zu haben“, sagte er. „Wenn es das ist, was Sie wollen, lassen Sie uns darüber reden.“

Der dänische Außenminister erinnerte daran, dass die USA 1945 noch 17 Stützpunkte und andere Militäreinrichtungen mit tausenden Soldaten in Grönland unterhalten hätten. Wenn sie ihre Präsenz nun wieder ausweiten wollten, sei auch „viel mehr“ möglich.

Eine Reihe von Radarsystemen am 29. März 2025 in Nuuk, Grönland. Foto: Leon Neal/Getty Images

Der Militärstützpunkt Pituffik ist ein Vorposten der US-Luftabwehr gegen Raketenangriffe vor allem aus Russland. Die kürzeste Route für russische Raketen gegen die USA führt über Grönland.

Trump hat weiterhin Interesse

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen hatte Vances Kritik bereits als ungerechtfertigt zurückgewiesen.

Sie erinnerte daran, dass ihr Land „viele Jahre lang“ den USA „in sehr schwierigen Situationen zur Seite gestanden“ habe, etwa bei den dänischen Kampfeinsätze im Irak und in Afghanistan.

US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Freitag, dass sein Land Grönland zur Wahrung der „internationalen Sicherheit“ brauche. Zuvor hatte er wiederholt seine Absicht geäußert, das arktische Inselgebiet unter US-Kontrolle bringen zu wollen.

Grönland und Dänemark lehnen eine Annexion ab. Auf der größten Insel der Welt leben rund 57.000 Menschen. Im Boden lagern wertvolle Rohstoffe, die bisher kaum genutzt werden. (dts/afp/red)

 



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