Terrorvorwürfe gegen schwedischen Journalisten in der Türkei – Stockholm: Freilassung hat „absolute Priorität“

Die schwedische Regierung will so bald wie möglich die Freilassung des wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommenen schwedischen Journalisten Joakim Medin erwirken. „Diese Angelegenheit hat für uns absolute Priorität“, sagte Außenministerin Maria Malmer Stenegard am Sonntag einem schwedischen Radiosender. Der Chefredakteur der Zeitung „Dagens ETC“, für die Medin arbeitet, bezeichnete die Vorwürfe gegen den Journalisten als „absurd“.
Medin war am Donnerstag in die Türkei gereist, um über die dortigen Massenproteste gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdogan zu berichten. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Istanbul wurde er festgenommen und am Tag darauf in ein Gefängnis gebracht.
Am Sonntag bestätigten die türkischen Behörden, dass dem Journalisten die „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terror-Organisation“ und „Beleidigung des Präsidenten“ vorgeworfen würden.
Medins Frau: Mein Mann „langweilt sich ein wenig“ im Gefängnis
Außenministerin Stenegard sagte, sie werde beim in der kommenden Woche anstehenden Treffen der NATO-Außenminister mit ihrem türkischen Kollegen Hakan Fidan über das Thema sprechen und ihm die „außerordentliche Bedeutung“ des Falls deutlich machen.
Medins Chefredakteur Andreas Gustavsson erklärte, der Inhaftierte sei „ein Journalist, nichts weiter. Das Ausüben von Journalismus sollte kein Verbrechen sein.“ Es werde mit Hochdruck versucht, die Befreiung Medins zu erwirken, so dass dieser „nach Hause zu seiner Familie und zu seinen Kollegen bei Dagens ETC zurückkehren kann“, fügte Gustavsson hinzu.
„Die Anschuldigungen sind falsch“, erklärte auch seine Frau Sofie Axelsson. Ihr Mann berichte seit Jahren über die Türkei, „vor allem über die Themen Demokratie und Menschenrechte“, fügte sie hinzu. Ihr Mann werde im Gefängnis „gut behandelt, aber er langweilt sich ein wenig“, sagte Axelsson weiter. Sie könne über seinen Anwalt mit ihrem Mann kommunizieren.
Vorwurf: Kontaktvermittlung zwischen PKK und Presse
Die türkischen Behörden werfen Medin unter anderem vor, im Januar an einer Demonstration der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Stockholm teilgenommen zu haben. Die PKK wird in der Türkei und vielen westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft. Bei der Demonstration wurde nach Angaben der türkischen Behörden eine Marionette gezeigt, die Erdogan darstellen sollte. Medin soll zudem nach Angaben der türkischen Behörden Kontakte zwischen der PKK und der Presse vermittelt haben.
Die türkischen Behörden gehen seit einigen Tagen verstärkt gegen Medien vor, die über die Massenproteste in dem Land berichten. Am Montag war ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP, Yasin Akgül, festgenommen worden, er kam später wieder frei.
Insgesamt wurden mehr als ein Dutzend türkische Journalisten im Zusammenhang mit den Massenprotesten festgesetzt. Am Donnerstag wies die Türkei zudem den Korrespondenten des britischen Senders BBC, Mark Lowen, aus.
Protestwelle sei Festnahme von Oppositionspolitiker Imamoglu
Medins Inhaftierung weckt Erinnerungen an den Fall des deutschen Journalisten Deniz Yücel, der 2017 während seiner Tätigkeit als Auslandskorrespondent der „Welt“ festgenommen worden war. Er saß bis 2018 im Istanbuler Gefängnis Silviri ein. Yücel war nach seiner Rückkehr nach Deutschland 2020 in der Türkei in Abwesenheit wegen des Vorwurfs der „Terrorpropaganda“ verurteilt worden. Die juristische Verfolgung des Journalisten hatte zu erheblichen diplomatischen Verstimmungen zwischen Berlin und Ankara geführt.
Ausgelöst wurde die Protestwelle in der Türkei durch die Festnahme des beliebten Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu. Der inzwischen in Untersuchungshaft genommene und von seinem Amt suspendierte Bürgermeister von Istanbul gilt als wichtigster innenpolitischer Rivale von Präsident Erdogan. Zu Protesten gegen Imamoglus Inhaftierung versammelten sich am Samstag hunderttausende Menschen in Istanbul.
Die türkisch-schwedischen Beziehungen waren zuletzt im Zusammenhang mit dem schwedischen NATO-Beitritt erheblich belastet. Das NATO-Land Türkei hatte den 2024 erfolgten Beitritt Stockholms zum Verteidigungsbündnis lange Zeit blockiert. Erdogan hatte Schweden unter anderem vorgeworfen, „Terroristen“ der PKK Unterschlupf zu bieten. (afp/red)
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