Myanmar-Beben: Chinas Vorzeige-Bauprojekt in Bangkok eingestürzt

Ein in rund 1.200 Kilometer Entfernung zum Erdbeben in Myanmar erbautes chinesisches Vorzeigeprojekt ist nur noch Schutt und Asche. Chinas Internet spottet. Die Zensurbehörden handeln.
Titelbild
Ein starkes Erdbeben der Stärke 7,7 erschütterte Myanmar und verursachte starke Erschütterungen, die auch im weit entfernten Bangkok zu spüren waren – und ein Hochhaus zum Einsturz brachten.Foto: Lauren DeCicca/Getty Images
Von 30. März 2025

Durch die verheerende Erdbebenkatastrophe am Freitagmittag in Myanmar stürzte auch im rund 1.200 Kilometer vom Epizentrum entfernten Bangkok ein im Bau befindlicher Wolkenkratzer ein. Das ist das einzige durch die Erdbeben gestürzte Gebäude in Thailand. Im chinesischen Internet wurde viel über die chinesische Baufirma geredet, die bedeutend an dem Bau beteiligt war.

Das Epizentrum des Erdbebens der Stärke 7,7 in Myanmar lag in der Nähe der Millionen-Metropole Mandalay. Allerdings waren auch in Teilen der Nachbarstaaten Thailand, Vietnam und China deutliche Erschütterungen zu spüren.

Chinesisches Internet kritisiert „Tofu“-Bauprojekt

In der mehr als 1.200 Kilometer von Mandalay entfernten thailändischen Hauptstadt Bangkok stürzte ein im Bau befindlicher 33-stöckiger Wolkenkratzer zusammen. Ein Video zeigt den dramatischen Moment, in dem das Hochhaus in sich zusammenfällt. Um die hundert Arbeiter sollen vermisst werden. Zehn Todesopfer sollen bereits geborgen worden sein, erklärte Chadchart Sittipunt, der Gouverneur von Bangkok. Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra rief den Notstand für die Hauptstadt aus.

Sutthipong Boonnithi, stellvertretender Rechnungsprüfer von Thailand, bestätigte, dass das Gebäude der neue Hauptsitz des staatlichen Rechnungshofs (SAO) werden sollte. Der Auftrag in Höhe von 2,1 Milliarden Baht (über 57 Mio. Euro) sei 2020 an die China Railway No. 1 (Thailand) Ltd. und die Italian-Thai Development Plc vergeben worden.

Wie die chinesischsprachige Epoch Times berichtet, hatte die chinesische Baufirma am 2. April vergangenen Jahres einen Artikel über das Richtfest am 31. März 2024 veröffentlicht. Der im chinesischen Mikrobloggingdienst Weibo – eine Art zensiertes X – veröffentlichte Beitrag (siehe Webarchiv) wurde jedoch bereits am Nachmittag nach dem Einsturz des Hochhauses eilig gelöscht.

In dem gelöschten PR-Artikel der China Railway wurde der Bauprozess mit großer Detailgenauigkeit beschrieben und die Sorgfalt und die fortschrittliche und branchenführende Bautechnik gelobt. Eine speziell gegründete „Technik-Taskforce“ sollte alle technischen Herausforderungen bewältigen und die absolute Gebäudesicherheit gewährleisten.

Die Nachricht darüber löste heftige Diskussionen bei den chinesischen Internetnutzern aus. Viele machten sich über die Bauqualität chinesischer Staatsunternehmen lustig und spotteten, dass das chinesische „Tofu-Schrott-Ingenieurwesen“ nun auch ins Ausland exportiert werde.

Anmerkung: „Tofu-Schrott-Ingenieurwesen“ („豆腐渣工程“) ist ein geflügelter chinesischer Begriff für extrem minderwertige, instabile Bauwerke, oft verbunden mit Korruption oder grober Fahrlässigkeit.

Chinas Internetpolizei am Werk

Unter anderem wurde von den Usern erklärt, es sei „wie ein grausamer schwarzer Humor“, dass ein einziges Erdbeben aus so großer Entfernung dieses sogenannte „chinesische Vorzeigeprojekt im Ausland“ mühelos zum Einsturz gebracht habe. Zu dem „mit Lichtgeschwindigkeit verschwundenen“ Artikel hieß es beispielsweise: „Die Löschgeschwindigkeit war atemberaubend (…) aber: Das Internet ist sauber, das Unternehmensimage gerettet, auch das nationale Ansehen bleibt gewahrt.“

Fazit: „Wer Beweise am schnellsten löschen kann, ist der wahre Gewinner.“ Von dem einst 100 Meter hohen Aushängeschild Chinas im Ausland blieben nur noch Trümmer und Staub – „und die stille Erwartung, dass sich das Wunder der schnellen Säuberung bald wiederholen möge.“

Den Angaben der chinesischen Ausgabe der Epoch Times nach verschwanden viele entsprechende Diskussionsbeiträge in den sozialen Medien Chinas über Nacht. Chinas Nachrichtenagentur Xinhua brachte zu dem Gebäudeeinsturz nur eine kurze Nachricht: „Nach den neuesten Angaben der Rettungsleitstelle hat der durch das Erdbeben verursachte Einsturz von Hochhäusern in Bangkok 5 Todesopfer und 9 Verletzte gefordert. 117 Menschen werden noch vermisst.“ Der Name des chinesischen Bauunternehmens wurde jedoch nicht erwähnt.



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