Hunderttausende protestieren in Belgrad gegen serbische Regierung

In Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, demonstrierten so viele Menschen wie noch nie seit Beginn der Protestwelle im November gegen Korruption und die Regierung von Präsident Alexander Vucic.
Zwischen 275.000 und 325.000 Teilnehmer waren nach Angaben eines unabhängigen Beobachternetzwerks am Samstag auf der Straße.
Das Innenministerium gab die Zahl der Teilnehmer mit 107.000 an. Die Polizei meldete kleinere Vorfälle am Rande der Demonstrationen, es kam zu keinen Ausscheitungen.
Vucic: Die Straße wird nicht die Regeln diktieren
Präsident Alexander Vucic sagte am Samstagabend in einer Ansprache, das „99 Prozent“ der Studenten friedlich blieben. Einen Tag zuvor hatte er betont, dass er sich von den Demonstranten nicht unter Druck setzen lasse.
Er werde nicht zulassen, „dass die Straße die Regeln diktiert“. Staatsmedien verschärften vor dem Protesttag den Ton und warnten vor einem geplanten „Putsch“ der Studenten.
Die Proteste, angeführt von Studenten, begannen nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad am 1. November. Dabei starben 15 Menschen. Das Unglück verstärkte die Wut über die Korruption in Serbien, die Proteste richten sich inzwischen auch gegen Regierung von Präsident Vucic.

Bereitschaftspolizei sichert das Gelände während der von Studenten organisierten Kundgebung am 15. März 2025 in Belgrad, Serbien. Foto: Srdjan Stevanovic/Getty Images
Die serbische Regierung gerät durch die Protestwelle zunehmend unter Druck. Ende Januar trat Ministerpräsident Milos Vucevic zurück. Vucevic war von 2012 bis 2022 Bürgermeister von Novi Sad. In seiner Amtszeit hatten die Renovierungsarbeiten an dem Bahnhof begonnen, die nur wenige Monate vor dem Unglück abgeschlossen wurden.
Vucic ruft abwechselnd zum Dialog auf oder macht ausländische Einmischung für die Proteste verantwortlich – ein Vorwurf, den auch der russische Staatschef Wladimir Putin geäußert hatte.
Beobachter warnten vor Eskalation
Beobachter befürchteten vor der Großdemonstration, die Regierung könnte Gewalt provozieren, um anschließend hart durchzugreifen. EU und UNO forderten die Regierung in Belgrad schon im Vorfeld dazu auf, das Demonstrationsrecht zu respektieren und Gewalt zu vermeiden.
Studentenverbände riefen online zu „ruhigem und verantwortungsvollem“ Protest auf. „Das Ziel der Bewegung ist es nicht, in Institutionen einzudringen oder diejenigen anzugreifen, die anders denken als wir“, hieß es. „Diese Bewegung darf nicht missbraucht werden.“
Für die Großproteste am Samstag reisten Menschen aus ganz Serbien nach Belgrad. Landwirte, Studenten und Bürger säumten die knapp zwei Kilometer langen Demonstrationsstrecke in der Stadt.
Stimmen von der Demonstration
„Wir haben gezeigt, dass der Wandel möglich ist, solange wir zusammen kämpfen“, rief eine Studentin von der Bühne auf dem zentralen Platz der Stadt.
„Wir sind vor allem auf den Straßen, um unsere vollständige Unzufriedenheit nach Jahren der Diktatur, Gesetzlosigkeit und Korruption zum Ausdruck zu bringen“, sagte der 28-jährige Belgrader Ognjen Djordjevic.
„Ich habe wie bei jeder Demonstration bis jetzt eine tolle Zeit. Das ist ein Erfolg, wie alles, was die Studenten bisher gemacht haben. Sie sind schlauer als wir alle“, sagte die in eine serbische Flagge gehüllte 44-jährige Sandra Zlatanovic.
„Das ist magisch. Das ist Serbien, das wahre Serbien, das wir wollen“, sagte die 70-Jährige Moma Milovanovic.
Auch Anhänger der Regierung mobilisierten, darunter waren auch Ultranationalisten, Mitglieder militanter Gruppen und mutmaßliche Hooligans, die in der Nähe des Parlaments Barrikaden und Zelte errichteten. (afp/red)
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