Großeltern von acht Enkeln auf Weltreise

96 Länder haben sie bereits besucht: John und Bev Martin sind seit über vier Jahren Vollzeitreisende. Und keines der von ihnen besuchten Länder möchten sie missen. Denn überall gibt es Interessantes und überall konnten sie warmherzige Menschen kennenlernen.
Titelbild
Foto: Retirement Travelers
Von 19. Juli 2024

Vor drei Jahren wagte ein Rentnerehepaar aus Florida einen mutigen Schritt: Sie verkauften ihr Haus, packten ihre Koffer und machten sich auf, die Welt zu erkunden. Seitdem haben John und Bev Martin 96 Länder besucht.

„Wir haben all unsere Sachen weggegeben und haben ein Leben als Vollzeitreisende begonnen“, erzählten die Martins der Epoch Times. „Wir wurden YouTuber und Reiseblogger – was wir uns nie hätten vorstellen können und überhaupt nicht auf dem Schirm hatten.“

Die Freude am Fremden schon früh geweckt

John Martin, 60, stammt ursprünglich aus West Virginia und arbeitete in der Aluminiumherstellung sowie im Management internationaler Beziehungen. Bev Martin, 61, kommt aus einer kleinen Stadt in Arkansas und widmete sich als Hausfrau und Mutter der Erziehung ihrer fünf Kinder.

Ihr Wunsch, die Welt zu bereisen, ergab sich daraus, wie sie groß wurden. John Martin wuchs in einem Haushalt auf, der häufig Austauschschüler beherbergte, und einige seiner älteren Geschwister studierten im Ausland. Dadurch wurde sein Interesse für fremde Kulturen schon früh geweckt.

Bev Martin hingegen wuchs in einem Haus ohne Fernseher auf, dafür aber mit vielen Büchern, die ihre abenteuerlustige Seite beflügelten.

„Als wir unsere Kinder großzogen, wollten wir, dass sie die Welt kennenlernen. Also sind wir mit ihnen ins Ausland gereist, aber rückblickend wünschten wir uns, wir wären mehr gereist“, so die Martins.

Anfang mit Hindernissen

„Als wir unsere Reise begannen, verlief alles überraschend anders, als wir es uns vorgestellt hatten“, erzählen John und Bev Martin. Ursprünglich wollten sie im März 2020 nach Mailand, Italien, reisen, doch die pandemiebedingten Lockdowns durchkreuzten ihre Pläne.

Unbeeindruckt davon entschieden sich die Martins, einen Wohnanhänger zu kaufen, um alle Nationalparks in den Vereinigten Staaten zu besuchen. Dieses Vorhaben konnten sie erfolgreich auf ihrer Wunschliste abschließen.

„Wir sind über 40.000 Meilen (ca. 64.374 Kilometer) mit unserem Hänger gereist und haben damit unser Ziel, jeden US-Bundesstaat zu besuchen, erreicht“, berichten sie stolz. „Die Krönung Amerikas ist das Nationalparksystem. In kurzer Zeit konnten wir Berge, Prärien, Wüsten, Höhlen, Meeresküsten, Flüsse und Bäche sehen.“

Die beiden hatten eigentlich vor, die ganze Welt zu bereisen. Aber wie das Leben so spielt, mussten sie ihre Pläne immer wieder anpassen. Nichtsdestotrotz hatten sie sich von Anfang an gut vorbereitet.

„Wir haben unsere Nachlassplanung gemacht und jeden Teil unseres Lebens vereinfacht und digitalisiert“, erklären die Martins. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft und Systeme wie Online-Banking und ein Postfach eingerichtet, um alles zu verwalten.“

Außerdem lernten die Martins ein paar praktische Kniffe, zum Beispiel all ihre Ausgaben mit einer Kreditkarte zu bezahlen, um Punkte für kostenlose Hotelaufenthalte zu sammeln.

Denn auch die Finanzplanung war für sie ein wichtiger Punkt. Sie entschieden sich, ihre Finanzen online zu verwalten, und richteten zusammen mit ihrem Finanzplaner ein System ein, mit dem sie immer den Überblick über ihre Altersvorsorge behalten können.

Auf den Färöer Inseln. Foto: Retirement Travelers

Am Hinterausgang der Festung Kotor in Montenegro. Foto: Retirement Travelers

John und Bev Martin am Comer See. Foto: Retirement Travelers

Leben im Ausland eröffnet neue Perspektiven

Sie erkannten, dass große Abenteuer nicht zwangsläufig teure Reiseziele erfordern. „Nur weil ein Land günstig ist, wie Kolumbien oder Bulgarien, heißt das nicht, dass es kein Vergnügen macht“, so die Martins. „Das sind zwei faszinierende Länder, in die wir auf jeden Fall zurückkehren werden.“

Einer der wichtigsten Aspekte bei den umfangreichen Reisevorbereitungen der Martins ist die Gewährleistung der Sicherheit.

„Wenn wir in einem Land sind, das als unsicher gilt, vermeiden wir es, nachts herumzulaufen“, erklärt das Paar. „Wir leben aber auch nicht in ständiger Angst; wir behalten alles im Auge, laufen zielstrebig und vermitteln nicht Eindruck, als wären wir orientierungslos.“

Für sichere Zahlungen setzt das ältere Ehepaar auf Apple Pay. Ihre Entscheidung wurde durch ein Ereignis im vergangenen Jahr geprägt, als ihnen auf einer Europareise die Kreditkartennummer gestohlen wurde. Nach einem Anruf bei der Kreditkartengesellschaft konnten sie ihr Apple Wallet schnell aktualisieren.

„Wir sind monatelang durch ganz Europa gereist und haben ohne Karte den Transport, die Lebensmittel und alles andere bezahlt“, berichten die Martins über diese Erfahrung.

Die besten Erinnerungen

Nach vielen Reisen rund um die Welt haben John und Bev Martin eine ganze Liste unvergesslicher Erinnerungen. Aber eine ihrer schönsten ist eine Situation, die sie auf einer Zugfahrt von Salzburg nach Prag erlebten. Wegen Schienenreparaturen mussten sie auf Schienenersatzverkehr umsteigen.

„Ein schwedisches Paar saß neben uns und schlug vor, ihnen zu folgen“, erzählen die Martins. „Als wir an der nächsten Haltestelle ankamen, stiegen wir aus, und sofort fuhr der Bus wieder los und ließ uns fassungslos zurück. Niemand sonst war ausgestiegen.“

Das Paar war in einem kleinen Dorf ohne WLAN oder Mobilfunknetz gelandet und kein Mensch sprach Englisch. Nach ein paar Stunden Wartezeit konnten sie dann schließlich in einen anderen Zug nach Prag umsteigen.

„Rückblickend ist es eine der tollsten Erinnerungen“, sagen sie.

Eine weitere schöne Erinnerung verbinden die Martins mit ihrer Zeit in Kambodscha, zur Zeit der Neujahrsfeierlichkeiten. Ihr Fahrer riet ihnen, eine Wasserpistole zu kaufen. Sie befolgten den Rat und erlebten die denkwürdigste Wasserpistolenschlacht ihres Lebens.

„Alle waren fröhlich, und wir waren völlig durchnässt, als der Abend zu Ende war“, berichten die beiden Ruheständler. „Wir haben uns wieder wie kleine Kinder gefühlt!“

Erwachsene und Kinder fuhren auf den Ladeflächen von Lastwagen durch die Stadt und beschossen sich gegenseitig mit Wasser, unter viel Gelächter und mit offensichtlich großer Freude.

„Wir hatten soviel Spaß“, sind die beiden sich einig. „Jeder hatte ein Lächeln im Gesicht, und wir waren an diesem Abend alle Freunde.“

Das Ehepaar Martin im Krüger Nationalpark in Südafrika. Foto: Retirement Travelers

Die Martins auf Bali. Foto: Retirement Travelers

Beim Wandern auf der griechischen Insel Folegandros. Foto: Retirement Travelers

In jedem Land gutherzige Menschen

Die Weltenbummler haben eine Vielzahl von Kulturen kennengelernt. Doch eine Lektion, die sie gelernt haben, sei am wertvollsten: „Wir sind als Nationen mehr miteinander verbunden, als den Menschen bewusst ist, denn wir alle (oder die meisten/ Anmerkung Redaktion) haben Verwandte in anderen Ländern. Wir alle haben Menschen irgendwo auf der Welt, die wir lieben, und wir wünschen ihnen nur das Beste.“

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass der Wunsch nach Freiheit überall präsent ist, selbst in Ländern ohne Freiheit. „Reiseleiter oder Taxifahrer erzählen oft von ihrem Kampf um ein besseres Leben für ihre Familien, und Freiheit und Bildung stehen dabei im Vordergrund.“

Solche Gespräche seien eine ergreifende Erinnerung daran, fügen sie hinzu, dankbar für das zu sein, was sie haben. Auf die Frage, ob es ein Land gibt, das sie nicht mögen, antworten die Martins immer: „Keines.“ Sie sind der Meinung, dass jedes Land besondere Herausforderungen mit sich bringe, aber auch von gutherzigen Menschen bewohnt werde.

„Egal, wo wir hingehen, die Menschen lieben ihre Familien und ihre Heimatstadt“, sagen sie.

Ihre bisherigen Lieblingsländer sind Slowenien, Neuseeland, Taiwan, Rumänien, Griechenland und die Niederlande.

Frau Martins Lieblingsort ist Raja Ampat in Indonesien, wo es für sie die besten Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten der Welt gibt. Herr Martin hingegen liebt den Atitlán-See in Guatemala wegen seiner natürlichen Schönheit und seiner warmherzigen Menschen.

Überraschenderweise sind die Martins auf ihrer Reise um den Globus auf keine größeren Herausforderungen gestoßen und waren erstaunt, wie weitverbreitet Englisch gesprochen wird.

Und wenn sie doch mal an Orten navigieren müssen, an denen es niemanden gibt, der des Englischen mächtig ist, verwenden sie Google Translate.

Mit der Familie in Kontakt bleiben

Für John und Bev Martin, die ständig auf Reisen sind, ist es eine Herausforderung, mit ihren Liebsten in Kontakt zu bleiben.

„Wir bemühen uns sehr, mit unserer Familie und unseren Freunden in Kontakt zu bleiben“, berichten die Martins. „Viele unserer Freunde schreiben uns SMS, und wir telefonieren regelmäßig mit unserer Familie per FaceTime. Heutzutage sind alle ziemlich technikaffin, auch unsere Mütter, die schon über 80 sind.“

Die Martins halten regelmäßig Kontakt zu ihren Kindern und besuchen sie und ihre Familien zweimal im Jahr. In Zukunft möchten sie häufiger nach Hause fahren, um mehr Zeit mit ihren acht Enkelkindern zu verbringen.

Alle haben sie bei ihren Abenteuern im Ruhestand unterstützt, und einige ihrer Kinder sind sogar mit ihnen gereist.

„Einer unserer Söhne hielt es zunächst für ein wenig verrückt, aber er erkannte schnell, dass es ein großartiger Plan war, und sprang dann sozusagen mit aufs Boot“, erinnern sich die Martins. „Ich glaube, er wollte einfach nur wissen, dass wir in Sicherheit sind und gut auf uns aufpassen.“

Während sie weiterhin zahlreiche Erinnerungen sammeln, teilen sie ihre Erlebnisse mit über 100.000 Abonnenten. Als sie diesen Meilenstein erreichten, waren ihre Kinder noch glücklicher als sie selbst.

„Sie waren wahrscheinlich ein wenig schockiert, dass ihre ganz normalen Eltern das schaffen, aber sie waren begeistert“, erzählen die Martins.

Foto: Retirement Travelers

Das berentete Ehepaar im Bryce Nationalpark in Utah/USA. Foto: Retirement Travelers

Pläne für die Zukunft

In den kommenden Monaten planen John und Bev Martin, die Westküste Afrikas, Südamerika und Japan zu besuchen. Außerdem möchten sie ihre Website weiter ausbauen, sodass sie zu einer wertvollen Ressource wird und andere Rentner ermutigt. Indem sie ihr Wissen teilen, möchten sie anderen helfen, ihre Komfortzone zu verlassen und die Welt zu entdecken.

Obwohl sie sich ursprünglich eine 10-Jahres-Frist gesetzt hatten, können sie sich momentan kein Ende vorstellen. „Wir haben festgestellt, dass wir es lieben, ständig umherzuziehen und verschiedene Kulturen kennenzulernen“, sagen die Martins.

„Unser Geist wird ständig herausgefordert, und wir haben selten eine Routine, wohin wir gehen oder was wir tun.“ John und Bev Martin haben gezeigt, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen. Mit unerschütterlicher Neugier und offenem Herzen sind sie zu Vollzeitreisenden geworden.

Ihre Abenteuerlust und ihr Engagement, andere zu inspirieren, machen sie zu einem leuchtenden Beispiel dafür, wie man das Leben im Ruhestand in vollen Zügen genießen kann. Für die Martins gibt es keine Grenzen – nur unzählige Möglichkeiten, die Welt zu erkunden.

In Australien. Foto: Retirement Travelers

Foto: Retirement Travelers

Foto: Retirement Travelers



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