Hamas übergibt andere Leiche als vereinbart und spricht von einem möglichen Versehen

Israel hat die Identität von zwei Kinderleichen bestätigt, die von der Hamas in Gaza übergeben wurden. Bei einer weiteren Leiche handele es sich jedoch nicht um ihre Mutter. Israel sieht das als Verstoß gegen die Vereinbarung zur Waffenruhe.
Die Hamas hat laut Israel mit der Übergabe einer nicht identifizierten Leiche gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen.
Die Hamas hat laut Israel mit der Übergabe einer nicht identifizierten Leiche gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen.Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa
Epoch Times21. Februar 2025

Die islamistische Terrororganisation Hamas hat nach israelischen Angaben mit der Übergabe einer falschen Leiche gegen die Waffenruhevereinbarung verstoßen. „Dies ist eine anonyme, nicht identifizierte Leiche“, teilte Israels Armee in der Nacht nach forensischen Untersuchungen mit.

Dies sei ein schwerer Verstoß gegen die Vereinbarung, vier getötete Geiseln zu übergeben. Bei zwei Kinderleichen handele sich um die vor mehr als 16 Monaten in den Gazastreifen verschleppten Kfir und Ariel Bibas. Bei der am Vortag ebenfalls übergebenen Frauenleiche handele es sich jedoch nicht um ihre Mutter Schiri.

„Wir fordern, dass die Hamas Schiri mit allen anderen unserer Geiseln zurückgibt“, hieß es in der Mitteilung der Armee weiter. Israel habe diese Forderung auch in einer dringenden Botschaft an die Vermittler erhoben und darin protestiert, dass die Hamas gegen die Vereinbarungen verstoßen habe, berichtete die israelische Nachrichtenseite „ynet“.

Hamas räumt möglichen Irrtum ein

Die islamistische Hamas spricht von einem möglichen Versehen, nachdem sie eine unbekannte Tote statt der sterblichen Überreste der israelischen Gaza-Geisel Schiri Bibas übergeben hat.

„Wir weisen auf die Möglichkeit eines Irrtums oder einer Vermischung von Leichen hin“, stand in einer Erklärung der Terrorgruppe.

Doch dich nicht durch einen Lufangriff gestorben?

Die beiden kleinen israelischen Geiseln Ariel und Kfir Bibas sind nach israelischer Einschätzung von ihren Entführern im Gazastreifen ermordet worden. „Im Gegensatz zu den Lügen der Hamas wurden Ariel und Kfir nicht bei einem Luftangriff getötet, sondern kaltblütig ermordet“, sagte Armee-Sprecher Daniel Hagari.

„Die Terroristen haben die beiden Jungen nicht erschossen – sie haben sie mit bloßen Händen umgebracht“, fügte er hinzu. Im Augenblick ihrer Entführung im Oktober 2023 war Ariel vier Jahre und Kfir erst zehn Monate alt.

Anschließend hätten die Terroristen „grausame Taten“ begangen, um ihre Gräueltaten zu vertuschen, sagte Hagari. Details nannte er nicht. Diese Einschätzung stütze sich sowohl auf die forensischen Ergebnisse der Identifizierung der am Donnerstag übergebenen Leichen sowie auf nicht näher bezeichnete nachrichtendienstliche Erkenntnisse.

Rubio: Hamas muss ausgerottet werden

US-Außenminister Marco Rubio forderte zuvor, die Hamas müsse „ausgerottet“ werden und die sofortige Rückgabe aller Geiseln verlangt.

Die Hamas hatte am Donnerstag in Gaza die sterblichen Überreste von vier Menschen übergeben. Zunächst war die Leiche von Oded Lifschitz identifiziert worden. Lifschitz war ein pensionierter Journalist und Aktivist für die Rechte von Palästinensern.

Unklar war nun zunächst, wie es mit der Umsetzung des Deals zwischen Israel und der Hamas nun weitergehen soll. Vier weitere Leichen sollten laut der islamistischen Terrororganisation in der kommenden Woche Israel übergeben werden. Zudem sollen am Samstag sechs weitere Geiseln im Rahmen des Abkommens zwischen Israel und der Islamistenorganisation freikommen.

Israel kündigte massiven Militäreinsatz im Westjordanland an

Für einen weiteren Schock sorgte in Israel unterdessen die Explosion von drei Bussen in einem südlichen Vorort von Tel Aviv. Nach Angaben der Polizei wurde dabei niemand verletzt. Die Ermittler gehen von einem mutmaßlichen Terroranschlag mit Sprengsätzen in der Stadt Bat Jam aus.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte daraufhin in der Nacht einen massiven Militäreinsatz im Westjordanland an. Es habe sich um den Versuch einer Reihe von Bombenanschlägen gehandelt, teilte sein Büro weiter mit.

Nach Sicherheitsberatungen habe Netanjahu die Streitkräfte angewiesen, einen „intensiven Einsatz gegen Zentren des Terrorismus“ im Westjordanland durchzuführen. Netanjahu wies zudem die Polizei an, die Präventivmaßnahmen gegen weitere Anschläge in israelischen Städten zu verstärken, hieß es.

Laut israelischen Medienberichten waren die drei geparkten Busse leer. Zwei weitere Sprengsätze seien entschärft worden, hieß es. Einer davon wurde demnach in der Stadt Cholon südlich von Tel Aviv gefunden. In einem Fall habe eine Passagierin dem Busfahrer gemeldet, dass sie einen verdächtigen Gegenstand im Fahrzeug gefunden habe, berichtete der Sender Channel 13.

Der Sender „Channel 12“ mutmaßte, dass alle Sprengsätze gleichzeitig zur Detonation gebracht werden sollten. Sie hätten Zeitzünder gehabt, meldete die „Times of Israel“ unter Berufung auf Tel Avivs Bezirkspolizeichef Haim Sargarof.

Israels Armee informiert Familie Bibas

Die israelische Armee informierte unterdessen nach eigenen Angaben die Familie Bibas über den Tod der beiden Kinder Ariel und Kfir Bibas. Ariel sei zum Zeitpunkt seines Todes vier Jahre und Kfir zehn Monate alt gewesen.

Nach Einschätzung von Experten auf der Basis von Geheimdienstinformationen und forensischer Untersuchungsergebnisse seien „Ariel und Kfir im November 2023 in Gefangenschaft brutal von Terroristen ermordet worden“, erklärte Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst Telegram.

Während der forensischen Untersuchungen sei festgestellt worden, „dass die andere übergebene Leiche nicht Shiri Bibas gehört und auch nicht mit einer anderen entführten Person übereinstimmt“. Statt Shiri Bibas hätten die Islamisten am Donnerstag die sterblichen Überreste einer unbekannten Person übergeben, so Adraee weiter.

Israel widerspricht damit Behauptungen der Hamas, wonach die beiden Kinder und ihre Mutter im November 2023 durch einen israelischen Luftangriff getötet worden seien. Israel hatte diese Angaben aber nie bestätigt.

Nach Darstellung der Hamas waren sie bei einem israelischen Bombardement getötet worden. Der Vater der Kinder, Jarden Bibas, war kürzlich in Gaza freigelassen worden.

Beratungen über die Zukunft Gazas

Derweil kommen heute in Saudi-Arabien morgen die Staats- und Regierungschefs Ägyptens und Jordaniens sowie der Golfländer zusammen, um über einen möglichen Wiederaufbau des Gazastreifens zu beraten.

Geplant sei ein „informelles brüderliches Treffen“ in Riad, wie die saudi-arabische Staatsagentur SPA berichtete. Es finde statt im Kontext vergangener Treffen dieser Art und als Vorbereitung auf das Gipfeltreffen in Kairo zur Lage in dem abgeriegelten und verwüsteten Gazastreifen, das für Anfang März geplant ist.

US-Präsident Donald Trump hatte mit einem Vorschlag, die rund zwei Millionen Bewohner Gazas dauerhaft in arabische Staaten umzusiedeln, für Unruhe in der Region gesorgt. Ägypten, Jordanien und andere arabische Länder der Region lehnen solche Pläne strikt ab.

Ägypten will mit einem eigenen Plan für den Wiederaufbau des Gazastreifens verhindern, dass die USA und der Verbündete Israel den Vorschlag Trumps weiter vorantreiben.

Israel lehnt eine Fortsetzung der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen ebenso ab wie eine Kontrolle des Gebiets durch die Palästinensische Autonomiebehörde. (dpa/afp/red)



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