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Wo ist die Sorge nun und Not?

Morgengebet – Von Joseph Freiherr von Eichendorff

Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

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Was mich noch gestern wollt' erschlaffen, ich schäm' mich des im Morgenrot.

Foto: iStock

Lesedauer: 1 Min.

Morgengebet

O wunderbares, tiefes Schweigen,
Wie einsam ist’s noch auf der Welt!
Die Wälder nur sich leise neigen,
Als ging‘ der Herr durchs stille Feld.
Ich fühl‘ mich recht wie neu geschaffen,
Wo ist die Sorge nun und Not?
Was mich noch gestern wollt‘ erschlaffen,
Ich schäm‘ mich des im Morgenrot.
Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
Betreten nur wie eine Brücke
Zu dir, Herr, übern Strom der Zeit.
Und buhlt mein Lied, auf Weltgunst lauernd,
Um schnöden Sold der Eitelkeit:
Zerschlag‘ mein Saitenspiel, und schauernd
Schweig‘ ich vor dir in Ewigkeit.
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857)

Kommentare

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B.Rechtvor 3 Jahren

Vielen Dank für DIESES Gedicht.

Es wäre wirklich erforderlich, daß wieder (mehr) gebetet wird.

Es gilt, was in Ps. 50/15 steht: Rufe mich an in der Not .... Und wenn das was wir jetzt durchmachen u. -leiden und was uns evtl. bevorsteht keine Not ist, dann weiß ich nicht was uns noch zum Beten bewegen soll.

Chrissyvor 3 Jahren

Danke. immer wieder für diese Sparte Poesie.