Büchner-Preis für Autor Oswald Egger: „Nachricht als Glücksgefühl“

Selbst hat er mit der Auszeichnung nicht gerechnet. Autor Oswald Egger bekommt einen der renommiertesten Literaturpreise. Er selbst hatte schon in der Jugend eine „starke Affinität“ zum Schreiben.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sieht in Egger einen Autoren, der die Grenzen der Literaturproduktion überschreitet und erweitert.
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sieht in Egger einen Autoren, der die Grenzen der Literaturproduktion überschreitet und erweitert.Foto: Katharina Hinsberg/Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/dpa
Epoch Times19. Juli 2024

Die Sache mit der Poesie und der Literatur ist für Oswald Egger ein unentwegtes Tun. Der 61 Jahre alte Schriftsteller wird in diesem Jahr mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. „Mit Oswald Egger zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen Schriftsteller aus, der seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 1993 die Grenzen der Literaturproduktion überschreitet und erweitert“, teilte die Akademie in Darmstadt zur Begründung der Jury mit.

Der mit 50.000 Euro dotierte Preis soll am 2. November im Staatstheater Darmstadt verliehen werden. Er zählt zu den wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Von der Auszeichnung überrascht

„Meine Ideen kommen aus meinem Kopf, den ich 24 Stunden trage, denke ich“, sagte Egger nach der Bekanntgabe des Preisträgers der Deutschen Presse-Agentur. „Und dann ist da ja auch außen etwas da, wenn sich etwas regt im Bewusstsein.“ So verstehe, erkenne und erkläre er sich die Welt. Die Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis überraschte den verheirateten Vater von zwei Kindern. Damit habe er nicht gerechnet. Es sei ihm vor ein paar Tagen mitgeteilt worden. „Die erste Wucht, mit der mich die Nachricht als Glücksgefühl als unmittelbares getroffen hat, ist nicht mehr in Gänze akut.“

Die Gründe der Jury

„Er arbeitet an einem Werkkontinuum, das Sprache als Bewegung, als Klang, als Textur, als Bild, als Performance begreift und sich in der Fortschreibung und Veränderung des Sprachgebrauchs entwickelt“, teilte die Jury zur Begründung mit. Seine Prosagedichte und Textgewebe würden sich der raschen Lektüre widersetzen, „laden zum assoziierenden Entschlüsseln von Bedeutungen ein und unterminieren spielerisch Erklärungssysteme, die wir zu kennen glauben.“ Eggers Wortkosmos fuße in der Mehrsprachigkeit „und den Landschaften seiner Südtiroler Herkunft.“ Der schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller wurde in Meran geboren, studierte in Wien Literatur und Philosophie und lebt derzeit nach eigenen Angaben auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss, einem Museumsgelände.

Zahlreiche Veröffentlichungen

„Ich würde sagen, so ab den jugendlichen Jahren gab es schon diese starke Affinität“, sagte Egger über seine Intention zum Schreiben. „Das sind so Berge und Täler, die es zu überwinden gilt.“ Eine größere Pause habe es während des Studiums gegeben. Erst danach habe er relativ spät sein erstes Buch veröffentlicht. „Die Erde der Rede“ als Erstlingswerk erschien 1993. „2010 veröffentlichte er das von der Kritik als Gesamtkunstwerk hervorgehobene fast 800 Seiten starke Buch „Die ganze Zeit“ mit Prosatexten, Vierzeilern und Zeichnungen über das Phänomen Zeit“, teilte die Akademie mit. Zuletzt erschien im vergangenen Jahr der Band „Farbkompartimente“.

Egger in einer Reihe großer Poeten

„Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ehrt in der Reihe der Georg-Büchner-Preisträger abermals einen Autor, dessen Wirkungskern die Dichtung, das an die Ränder gedrängte Gedicht ist“, teilte der Leiter des Literaturhauses Frankfurt, Hauke Hückstädt, mit. Er stehe durch diese Ehrung, blickt man allein auf die Preisträger der vergangenen zehn Jahre, in einer Reihe mit den großen Poeten Jürgen Becker, Marcel Beyer, Jan Wagner, Elke Erb und Lutz Seiler.

Die Historie der Auszeichnung

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen „durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten“ und „an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“, heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

Klangvolle Namen bei den Preisträgern

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Terézia Mora, Lukas Bärfuss, Elke Erb und Clemens J. Setz. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner („Woyzeck“). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich. (dpa/red)



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